Kreditmärkte schwenken auf Wachstumsabschwächung ein – antizyklischer Kapitalpuffer kontraproduktiv

Wie aus der aktuellen Befragung der Banken im Euroraum durch die EZB hervorgeht, blieb die Kreditnachfrage der Unternehmen im ersten Quartal 2019 stabil und auch die Banken veränderten ihre Kreditvergabestandards kaum. Dagegen wuchs die Nachfrage nach privaten Wohnungsbaukrediten dank niedriger Zinsen weiter und die Kreditinstitute verschärften ihre Vergaberichtlinien für Immobilienfinanzierungen. Auch für die kommenden Monate rechnen die Banken mehrheitlich mit einer wachsenden Nachfrage in beiden Kategorien. Obwohl der Anteil der Optimisten gegenüber der Januarbefragung marginal zugenommen hat, ist die Mehrheit der Kreditinstitute, die an eine wachsende Kreditnachfrage glaubt, im Vergleich zu 2018 allerdings stark abgeschmolzen.

Das deckt sich mit der Wachstumsentwicklung der europäischen Kreditmärkte, die derzeit scheinbar ihren Zenit erreicht. Bei den Unternehmenskrediten war das bereits Ende September letzten Jahres der Fall, als der Zuwachs auf 4,3 Prozent stieg, um sich danach wieder abzuschwächen. Die privaten Wohnungskredite haben sich in den letzten Monaten bei einem Wachstumspfad um die 3,2 Prozent eingependelt, ohne dass ein weiterer Wachstumsschub erkennbar wäre.

Vor allem aufgrund der konjunkturellen Wachstumsabschwächung in Deutschland und Europa rechnen wir für 2019 mit langsamer expandierenden Kreditmärkten. In dieser Situation wäre ein antizyklischer Kapitalpuffer für Banken im Rahmen der makroprudenziellen Aufsicht, wie er aktuell diskutiert wird, kontraproduktiv. Nicht nur, dass man bei nominalen Kreditzuwächsen von durchschnittlich drei bis vier Prozent noch nicht von einer Überhitzung sprechen kann. Es besteht vor allem auch die Gefahr, dass die Maßnahmen die Kreditmärkte, die bereits in Richtung Wachstumsabschwächung eingeschwenkt sind, abwürgen und so Kreditengpässe entstehen, die die konjunkturelle Entwicklung schwer belasten.

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