Vermögensaufbau durch weniger Regulierung

Wie aus der aktuellen Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ der Bundesbank hervorgeht, ist das durchschnittliche Nettovermögen in Deutschland zwischen 2014 und 2017 zwar um 18.300 Euro auf 232.800 Euro gestiegen. Allerdings sind die Vermögen nach wie vor ungleich verteilt. Dabei fällt die Ungleichverteilung hierzulande stärker aus als im Durchschnitt des Euroraums, aber geringer als in den USA.

Interessant ist, dass vor allem Bürger mit Immobilien- und Aktienbesitz von Wertzuwächsen profitieren konnten. Im internationalen Vergleich haben allerdings gerade diese Vermögenskategorien ein schwaches Gewicht: Deutsche Anleger gelten als risikoavers, weil sie Aktien meiden und eher in Einlagen und Versicherungen investieren. Zudem wohnen die Bürger hierzulande häufiger zur Miete als im Eigenheim. Dabei sind beide Vermögenskategorien besonders wichtig für den Vermögensaufbau: Aktien, Fonds und entsprechende Zertifikate tragen zu einer breiten Streuung der Geldanlage bei und erzielen langfristig gute Renditen. Der Vorteil von Immobilen besteht neben der Sicherheit vor allem in der disziplinierenden Wirkung. Denn wer Kredit aufnimmt, um Wohneigentum zu erwerben, spart kontinuierlich einen größeren Teil seines Einkommens.

Eine Politik, die den nachhaltigen Vermögensaufbau breiter Bevölkerungsschichten fördern möchte, sollte freundliche Rahmenbedingungen bieten. Die Entwicklungen der letzten Jahre bewirkten jedoch das Gegenteil. So hat ein überbordendes Dickicht an Vorschriften zur Anlageberatung dazu geführt, dass sich gerade Kleinanleger von Wertpapieren abwenden. Und der Wohnungsbau wird durch immer mehr und strengere Vorschriften zu Umweltschutz und Sicherheit bis hin zu Stellplatzverordnungen abgewürgt. So bleibt die Neubautätigkeit trotz extrem niedriger Kreditzinsen immer noch hinter dem Bedarf zurück. Wohnimmobilien werden knapper, teurer und für immer mehr private Haushalte unerschwinglich.

Anlegerschutz und Bauvorschriften haben zweifelsohne ihre Berechtigung. Wenn Regulierung aber dazu führt, dass Kleinanleger wichtige Anlagekategorien komplett ausschließen und jungen Normalverdiener-Familien Wohneigentum verwehrt bleibt, gilt es, überflüssige Bürokratie zu entrümpeln und ein neues Regulierungsgleichgewicht zu finden. Das sollte den Vermögensaufbau fördern und somit beitragen, die Ungleichheit zu verringern.

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