Wirtschaftsminister senkt Prognose auf 0,5 Prozent – warum?

Wie bereits vermutet hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier seine Prognose für das Wirtschaftswachstum 2019 abermals gesenkt – von 1,0 auf 0,5 Prozent. Damit positioniert sich die Bundesregierung also skeptischer im Hinblick auf die konjunkturellen Perspektiven als die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute in ihrer vor knapp zwei Wochen veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose. Denn im vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten erwarten die Institute für das laufende Jahr in Deutschland eine Wachstumsrate von 0,8 Prozent.

Die deutliche Abweichung von der geballten und eigens beauftragten Expertenkompetenz überrascht etwas. Die Gründe dahinter mögen politischer Natur sein, auch wenn sich Minister Altmaier bei der Vorstellung der Prognose ausdrücklich gegen ein staatliches Konjunkturprogramm ausgesprochen hat.

Die ökonomische Ratio der neuen Prognose erschließt sich jedenfalls nicht ohne Weiteres. Das für die Prognose des Gesamtjahres sehr wichtige erste Quartal liegt hinter uns, die Wachstumsrate in Q1 wird jedoch erst in etwa vier Wochen veröffentlicht. Die Institute gehen in ihrem Gutachten von einem Wachstum von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal aus. Das erscheint eigentlich nicht übermäßig optimistisch, zumal die Bundesbank im aktuellen Monatsbericht Anfang der Woche konstatiert hat, dass die deutsche Wirtschaft im abgelaufenen Quartal „moderat gewachsen“ sein dürfte. Aber wenn Herr Altmaier für Q1 kein schlechteres Ergebnis erwartet als die Institute, dann müsste er also für den weiteren Jahresverlauf skeptischer sein.

Auch das erscheint momentan schwer nachvollziehbar. Natürlich ist besonders die deutsche Industrie durch die Abschwächung der globalen Konjunktur und des Welthandels unter Druck geraten und die Auftragslage hat sich verschlechtert. Dennoch mehren sich gerade in diesen Tagen die Anzeichen dafür, dass diese Schwächephase bald überwunden werden kann. So ist in China das Wachstum im ersten Quartal anhaltend robust ausgefallen, besonders im März hat die Industrie mit einer kräftigen Produktionssteigerung überrascht. Zudem stehen die Chancen für eine Einigung im Handelskonflikt mir den Vereinigten Staaten offenbar nicht schlecht. Die Brexit-Unsicherheit dürfte durch die erreichte Verschiebung vorerst auch an Bedeutung verlieren.

Wir sehen jedenfalls vor diesem Hintergrund keine Veranlassung, unsere Wachstumsprognose von 1,0 Prozent für das laufende Jahr nach unten anzupassen. Angesichts der robusten Binnenkonjunktur und der allmählichen Aufhellung des internationalen Umfelds sehen wir gute Chancen für die deutsche Wirtschaft, diese Rate 2019 auch erreichen zu können.

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