Deutsche Industrie spürt den Gegenwind

Das letzte halbe Jahr war nicht einfach für den erfolgsverwöhnten Industriesektor in Deutschland: Die Weltkonjunktur schwächt sich ab, der Handelsstreit zwischen den USA und China hat auch die nicht direkt beteiligten deutschen Unternehmen empfindlich in Mitleidenschaft gezogen. Dazu kamen einige hausgemachte Probleme, insbesondere im Automobilsektor. Die Auftragslage, vor etwa einem Jahr noch geradezu überschäumend, hat sich rapide verschlechtert.

Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auch auf die heimische Konjunktur. Zwar ist der Arbeitsmarkt nach wie vor stabil und die Bauwirtschaft boomt. Der Dienstleistungssektor zeigt sich bislang ebenfalls kaum beeinflusst von der internationalen Abkühlung. Dennoch dämpft der stotternde Industrieoutput auch das Wachstum. Schließlich ist das gesamtwirtschaftliche Gewicht des deutschen Industriesektors mit mehr als 23 Prozent unter den Industrieländern eines der höchsten.

Wirtschaftsminister Altmaier möchte den Anteil der Industrie an der Wertschöpfung gerne noch weiter erhöhen, und zwar mittels industriepolitischer Maßnahmen. Allerdings hat die langfristige Entwicklung gezeigt, dass die Industrieunternehmen in Deutschland bisher auch ohne eine aktive Einflussnahme des Staates international wettbewerbsfähig blieben. Daneben: Den Schwerpunkt der Förderung auf wenige nationale und europäische „Champions“, also Großunternehmen in der Industrie, zu legen, geht an der deutschen Wirklichkeit vorbei. Damit würden nicht nur erfolgversprechende, zukunftsorientierte Geschäftsmodelle in anderen Sektoren, sondern auch der für Deutschland so wichtige Mittelstand vernachlässigt.

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