Frühes Sommerende für den italienischen Bankensektor

Der Bankensektor und die Politik sind in Italien eng miteinander verwoben. Da überrascht es nicht, dass sich die häufigen politischen Turbulenzen belastend auf die italienischen Banken auswirken, obwohl die fundamentalen Entwicklungen der Institute eigentlich positiv gewesen sind. In den vergangenen Monaten hat vor allem der fortgesetzte Abbau von ausfallgefährdeten Krediten (NPL) für ein positives Umfeld gesorgt. Unterstützt von einem zumindest bis Herbst 2018 vergleichsweise freundlichen konjunkturellen Umfeld, konnten die Banken mithilfe von Verbriefungen und/oder Verkäufen sowie dank geringerer NPL-Neuzuflüsse ihre Kreditqualität merklich verbessern. Sektorweit ging die NPL-Quote nach Berechnungen der EBA auf 8,3% zurück und hat sich damit seit ihrem Höhepunkt 2015 ungefähr halbiert. Doch auch nach all den bisherigen Anstrengungen und Erfolgen liegt sie immer noch deutlich über dem Durchschnittswert europäischer Geldinstitute von 3,2%. Die Fortführung des NPL-Abbaus zählt daher in den kommenden Monaten zu den wichtigsten Aufgaben der italienischen Banken.

Die sich eintrübende Konjunktur in Italien und in ganz Europa stellt dabei einen nicht unerheblichen Risikofaktor dar. Insbesondere der insgesamt noch ertragsschwache und wenig rentable italienische Bankenmarkt ist stark auf ein stabiles und unterstützendes Umfeld angewiesen. Zudem drohen – unabhängig von den konjunkturellen und politischen Entwicklungen – höhere Refinanzierungskosten: Sei es durch die Inanspruchnahme der weniger generösen TLTRO 3, sei es alternativ durch die Refinanzierung am Markt. Insgesamt scheint also langsam die Schönwetterperiode für den italienischen Bankensektor dem Ende zuzugehen.

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