Wachstumsrate im Euro-Raum überraschend verdoppelt – Unsicherheit bleibt

Nach der positiven Wachstumsüberraschung in den USA folgt nun auch ein gutes Quartalsergebnis für den Euro-Raum. Die gefürchtete konjunkturelle Abkühlung zu Jahresbeginn ist damit ausgeblieben. Die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum legte im ersten Quartal 2019 mit 0,4% gegenüber dem Vorquartal sogar doppelt so schnell zu wie Ende 2018. Dabei haben ein widriges Umfeld aus Handelsstreitigkeiten, einer abflauenden Konjunktur in China und einer anhaltenden Absatzschwäche in der Automobilindustrie berechtigte Sorgen keimen lassen. Spannend bleibt die Frage, wie die deutsche Wirtschaft abgeschnitten hat, die im Besonderen von einem Stimmungsabschwung in der Industrie betroffen ist. Hier ist weiterhin Geduld gefragt, denn die Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) werden erst am 15. Mai veröffentlicht. Die bislang vorliegenden Daten signalisieren aber auch hier die Möglichkeit einer positiven Überraschung.

Bereits bekannt ist unter anderem das Quartalsergebnis für Frankreich. Hier stabilisierte sich das Wachstum bei 0,3%. Angesichts der andauernden „Gelbwesten“-Proteste kann von einem soliden Ergebnis gesprochen werden. Erfreulich ist, dass sich die private Nachfrage zusehends erholt. Hierbei dürften die Steuererleichterungen, die Präsident Emmanuel Macron im Dezember ausgehandelt hatte, das Ergebnis positiv beeinflusst haben. Der Beitrag der Nettoexporte fiel hingegen zuletzt negativ aus.

Das drittgrößte Euroland, Italien, schafft mit 0,2% den Sprung aus den roten Zahlen. Allerdings verharrte die konjunkturelle Gangart weiterhin unterhalb des Euro-Raum-Durchschnitts. Vor wenigen Wochen erst räumte die populistische Regierung ein, dass das Wirtschaftswachstum in 2019 wohl deutlich schwächer ausfallen dürfte als bisher angenommen. Sie verteidigte daraufhin ihre Bestrebungen, die Binnenwirtschaft über teure Sozialprojekte wieder in Schwung zu bringen.

Spaniens Wirtschaftswachstum scheint dagegen kein Halten zu kennen. Die iberische Volkswirtschaft konnte mit einem starken Plus von 0,7% sogar das ohnehin sehr gute Ergebnis des Vorquartals übertreffen. Dabei dürfte die beispiellose Mindestlohnerhöhung zu Jahresbeginn einen entscheidenden Beitrag zur Konjunkturbeschleunigung beigetragen haben. Außerdem hat der wichtige Tourismussektor, nach einer vorübergehenden Schwächephase, in den ersten drei Monaten des Jahres wieder merklich an Schwung gewonnen.

Bereits am Monatg eröffnete Belgien den Reigen der Quartalsberichtssaison für das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum. Hier halbierte sich das Wachstum auf 0,2%. Überraschend war die Abkühlung jedoch nicht: Ein Generalstreik hatte die Wirtschaft des Landes Mitte Februar fast vollständig lahmgelegt. Auch in Österreich liegt bereits eine Schnellschätzung vor, das Wachstum stabilisierte sich bei moderaten 0,3%.

Trotz des guten Quartalsergebnisses im Euro-Raum bleibt die Unsicherheit aber vorerst erhalten. Dafür sprechen auch erste Stimmungsindikatoren für das zweite Quartal, die auf eine gedämpfte konjunkturelle Entwicklung hindeuten. Große Bremsklötze könnten das Wachstum zudem kurzfristig destabilisieren. Dazu zählen unter anderen eine Ausweitung der Handelsstreitigkeiten der USA mit der EU oder Risiken im Zuge möglicher weiterer „Brexit“-Turbulenzen. Sollten sich diese Unsicherheiten jedoch nicht materialisieren, ist im Euro-Raum weiterhin mit einer moderaten Wachstumsrate von 1,2% für das Gesamtjahr 2019 zu rechnen.

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