Südafrika hält dem ANC die Treue

Südafrika hat gewählt. Zwar ist heute Morgen erst rund ein Viertel der abgegebenen Stimmen ausgezählt, und das offizielle Endergebnis wird erst für den kommenden Samstag erwartet. Für die Nationalversammlung zeichnet sich jedoch bereits jetzt eine klare absolute Mehrheit für den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) und seinen Präsidenten Ramaphosa mit derzeit etwa 55% der Stimmen ab. Gegenüber der Parlamentswahl vor fünf Jahren würde die Regierungspartei nach aktuellem Stand zwar Stimmenverluste erleiden. Verglichen mit dem Ergebnis der Kommunalwahl 2016, bliebe der Anteil allerdings mehr oder weniger unverändert. Zu berücksichtigen ist zudem, dass die Regierungspartei in den ländlichen Gebieten einen größeren Rückhalt genießt und die Auszählung hier tendenziell länger dauert. Der ANC hätte auf Basis dieser Überlegungen gute Chancen, ein Ergebnis zwischen 55% und 60% einzufahren.

Das Erreichen beziehungsweise Überschreiten der Schwelle von 55% der Stimmen auf nationaler Ebene ist für Präsident Ramaphosa vor allem innerhalb der eigenen Partei von Bedeutung. Hier stehen ihm Weggefährten des früheren Präsidenten Zuma gegenüber, der dem Land durch Misswirtschaft und Korruption schwer geschadet hat. Während des Wahlkampfes hatte Ramaphosa nicht nur klargestellt, dass er die Verfehlungen des ANC aus den vergangenen Jahren lückenlos aufarbeiten lassen will. Er hat sich darüber hinaus ehrgeizige strukturelle Reformen auf die Fahnen geschrieben, um die Wirtschaft des Landes wiederzubeleben und Arbeitsplätze zu schaffen. Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind für Ramaphosa dabei alles andere als klein. Die für das laufende Jahr erwartete Wachstumsdynamik von rund 1,5% (J/J) dürfte kaum genügen, um der hohen Arbeitslosigkeit nennenswert entgegenzuwirken. Zudem gilt es, das Problem der immer wieder auftretenden Stromausfälle im Land zu beseitigen und soziale Spannungen im Zaum zu halten. Angesichts dieser Herausforderungen ist es für Ramaphosa umso wichtiger, seine Position innerhalb des ANC sichtbar zu stärken. Gelingt ihm dies, dürfte auch die Währung deutlich von dem Wahlergebnis profitieren.

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