Türkische Lira in schwierigem Fahrwasser

Die Türkische Lira war in diesem Jahr bislang nicht erfolgreich – im Gegenteil. Gut 10% hat die Landeswährung seit Jahresanfang gegenüber dem Euro an Wert verloren. Die Liste der Belastungsfaktoren ist dabei alles andere als kurz. Globale Entwicklungen spielen zwar eine Rolle. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größten Herausforderungen für die Lira im eigenen Land liegen, die Widrigkeiten ähnlich wie im vergangen Sommer folglich „hausgemacht“ sind. Vor dem Hintergrund der annullierten Kommunalwahl in Istanbul haben die Sorgen der Investoren zugenommen, dass sich die Türkei unter Erdogan (noch) weiter von demokratischen Grundsätzen verabschiedet. Gerade diese Befürchtungen sind es, die der Reputation der Zentralbank zusetzen. Hinzu kommt das angespannte diplomatische Verhältnis zu den USA. Washington droht dem NATO-Partner mit Konsequenzen, sollte die Türkei nicht vom Kauf eines russischen Luftabwehrsystems zurücktreten.

Die Türkische Lira dürfte sich den 23. Juni rot im Kalender markieren. Dann finden die Neuwahlen in Istanbul statt. Ein Zeichen der Schwäche wird sich Präsident Erdogan im Wahlkampf kaum erlauben können – und wollen. Entsprechend kompromisslos dürfte er sich gegenüber seinen politischen Gegenspielern im Inland und gegenüber den USA inszenieren. Die politische Unsicherheit sollte folglich bis auf weiteres auf erhöhtem Niveau verbleiben oder sogar noch weiter zunehmen.

Wie es danach für die Türkei und ihre Landeswährung weitergeht, liegt vorrangig in den Händen von Präsident Erdogan. Die Krise des vergangenen Sommers hat gezeigt, wie schnell die Spannungen abklingen können, wenn die richtigen (diplomatischen und geldpolitischen) Stellschrauben gedreht werden. Eine weitere Eskalation würde dagegen nicht nur die Lira unter weiteren Abgabedruck bringen, sondern hätte das Potenzial, auf das gesamte Schwellenländersegment auszustrahlen.

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