Huawei-Bann kann weltweite Folgen haben

Am 16. Mai hat das US-Wirtschaftsministerium den chinesischen Technologieriesen Huawei mit Sanktionen belegt. US-amerikanische Unternehmen können nur noch unter Einhaltung strenger Auflagen Geschäfte mit Huawei machen. Begründet wurde diese Maßnahme damit, dass der Konzern in „Aktivitäten eingebunden ist, die den nationalen Sicherheitsinteressen der USA“ entgegenstehen.

Dabei handelt es sich bei Huawei nicht um irgendeinen chinesischen Technologieanbieter, sondern um einen der führenden Ausrüster für die Telekommunikationsindustrie, einen der weltweit größten Smartphone-Hersteller sowie einen wichtigen Produzenten von Notebooks und Smartwatches. Der Bann richtet sich also gezielt gegen das „Herz des chinesischen Technologiesektors“ und stellt somit eine weitere Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China dar.

Nur vier Tage nach der Inkraftsetzung der Sanktionen gewährte die US-Behörde einen Aufschub von 90 Tagen. Offensichtlich hat man erkannt, dass die Aktion nicht nur Huawei, sondern auch zahlreiche US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen und -kunden treffen würde. Viele Betreiber lokaler Breitbandnetze sind nämlich auf Huawei-Produkte angewiesen. Um zu verhindern, dass diese Netze zum Erliegen kommen, wird den betroffenen Telekommunikationskonzernen nun eine 90-Tage-Frist eingeräumt, um technologische Alternativen zu suchen. Nicht nur die US-Telekommunikationsanbieter, sondern vor allem zahlreiche andere amerikanische Technologieunternehmen aus der Halbleiterindustrie und der Softwarebrache dürften bald unter den „Huawei-Sanktionen“ zu leiden haben.

Sicherlich könnten aus dem eskalierenden Handelskonflikt zwischen den USA und China – zumindest kurzfristig – auch einige Gewinner hervorgehen. Sollten die Sanktionen gegen Huawei länger andauern und eventuell sogar auf weitere chinesische Unternehmen ausgeweitet werden, wird es aber im Technologiesektor wohl überwiegend Verlierer geben. Zudem dürften die Auswirkungen nicht auf den Technologiebereich begrenzt bleiben. Denn Komponenten wie Prozessoren, Sensoren, Modems und Software-Lösungen sind ein zentraler Bestandteil von Produkten aus unterschiedlichsten Branchen. Betroffen sind dann keineswegs nur US-Konzerne, sondern Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden weltweit. Das Ausmaß lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch kaum abschätzen, denn es besteht sogar das Risiko eines branchenübergreifenden Dominoeffekts.

Letztlich sehen wir die Gefahr, dass hierdurch die Einführung beziehungsweise die Weiterentwicklung von neuen Technologien wie dem „Autonomen Fahren“, der „Industrie 4.0“, dem „Internet der Dinge“ sowie dem neuem Mobilfunkstandard „5G“ gehemmt werden könnte. Zudem muss man auch mit einer Gegenreaktion Chinas rechnen, die wahrscheinlich auf ganz anderen Gebieten ausgetragen wird. Dies würde dann den Welthandel insgesamt und damit auch die Wachstumsdynamik treffen. Am geringsten dürften die negativen Auswirkungen in den USA ausfallen, angesichts ihrer vergleichsweise guten Position als Nettoimporteur und den reichlichen Rohstoffreserven.

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