Politik bestimmt weiterhin das Geschehen an den Devisenmärkten

Die politische Lage in Europa ist insgesamt weiterhin relativ unübersichtlich und im Vergleich zu den USA ein komparativer Nachteil. Zudem macht sich die sehr nach innen gerichtete und auf den Vorteil der USA bedachte Politik von Trump zunehmend an den Devisenmärkten bemerkbar. Eine nachhaltige Aufwertung des US Dollars ist die Folge. Auch der eskalierende Handelsstreit dürfe kurzfristig die US Wirtschaft weit weniger belasten als die restliche Welt, was sich auch hier wieder günstig auswirken sollte. Insgesamt hat US Präsident Trump weiterhin die Trümp(F)e in der Hand, was ihm letztlich auch seinen Politikstil ermöglicht.

In den zurückliegenden Wochen prägten in erster Linie geo- und handelspolitische Entwicklungen das Geschehen an den weltweiten Devisenmärkten. Hierbei haben nicht nur wohlbekannte Konflikte wie z.B. der wieder an Schärfe gewonnene bilaterale Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt für Verunsicherung gesorgt. Vielmehr sind u.a. mit der Kriegsgefahr am Persischen Golf auch neue Krisenherde mit ungewissem Ausgang hinzugekommen, so dass es letztendlich wenig verwundert, dass Sichere Häfen wie der japanische Yen und der schweizer Franken zuletzt wieder verstärkt nachgefragt wurden.

Politische Themen sollten auch in den kommenden Wochen die Nachrichten dominieren. Das rund um den Globus wohl am stärksten beachtete Ereignis dürfte hierbei der am 28. und 29. Juni in Japan stattfindende G20-Gipfel sein, bei dem u.a. ein Treffen zwischen US-Präsident Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi auf der Agenda steht. Nachdem die letzten Wochen, was das Hoffen auf bzw. das Bangen um eine Lösung des US-chinesischen Handelsstreits betrifft, einer wahren Achterbahnfahrt geglichen haben, heißt es nun wieder einmal Daumen drücken für einen handelspolitischen Durchbruch. Zwar sollte Ende Juni, was eine Lösung des Handelskonflikts betrifft, noch nicht alles in trockenen Tüchern sein. Allerdings dürften die Entspannungssignale überwiegen und zu einer Beruhigung an den Märkten beitragen.

Aber auch Europa muss sich mit Blick auf hochkarätige politische Ereignisse wahrlich nicht verstecken. Und dies liegt nicht, wie vielleicht zunächst zu vermuten wäre, an der nach wie vor ungeklärten Brexit-Frage. Zwar dürfte uns Westminster in der nächsten Zeit wieder verstärkt an seinen Überlegungen zum geplanten EU-Austritt teilhaben lassen. Allerdings muss sich das politische London dieses Mal die Aufmerksamkeit mit der vom 23. bis 26. Mai stattfindenden Wahl des Europäischen Parlaments („Europawahl“) teilen. Was das EU-weite Votum betrifft, ist mit einem Erstarken populistischer Parteien zu rechnen. Damit einhergehend dürfte sich wieder einmal nicht nur der Euro die sorgenvolle Frage stellen, wie es um den Zusammenhalt der europäischen Staatengemeinschaft bestellt ist. So macht doch bereits der seit langem anhaltende politische Konflikt zwischen Brüssel und verschiedenen osteuropäischen Mitgliedsstaaten deutlich, wie schwer es bereits jetzt für die EU ist, mit einer Stimme zu sprechen. Angesichts der mannigfaltigen globalen Herausforderungen käme für die EU nun eine weitere Schwächung zur Unzeit. Dies scheint den stellvertretenden italienischen Ministerpräsidenten Salvini jedoch wenig zu kümmern. Vielmehr verdeutlichte er mit seiner jüngst wiederholt zum Ausdruck gebrachten Kritik an den Fiskalregeln der EU, wie schlecht es angesichts der Fokussierung auf nationale Interessen um den gemeinsamen Grundgedanken der Europäischen Union und damit verbunden auch um deren Zukunft steht.

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