Europa vor wichtigen Weichenstellungen

Die Konjunktur in Europa hält sich trotz des widrigen internationalen Umfelds recht wacker. So konnte im ersten Quartal 2019 die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate des Euro-Raums im Vergleich zum schwächeren zweiten Halbjahr 2018 wieder erheblich gesteigert werden, vor allem dank einer sehr lebhaften Konsumtätigkeit der privaten Haushalte. Diese wiederum profitieren von einer günstigen Arbeitsmarktentwicklung, mit mehr Jobs und steigenden Einkommen.

Doch so positiv sich die allgemeine Konjunkturentwicklung in der Rückschau darstellt, so groß ist die Unsicherheit sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht mit Blick auf die kommenden Monate. Die Verschärfung des Handels-streits zwischen den Vereinigten Staaten und China lässt für den Welthandel nichts Gutes erwarten, und vor allem die sehr außenhandelsabhängigen europäischen Volkswirtschaften dürften darunter zu leiden haben. Die europäische Industrie verzeichnet einen empfindlichen Rückgang an ausländischen Orders, und in Deutschland ist man davon überproportional betroffen.

Der Ausblick auf die Europawahlen ist auch nicht dazu angetan, für allgemeine Beruhigung zu sorgen. Denn populistische und europaskeptische Kräfte werden voraussichtlich so stark wie nie zuvor abschneiden. Zwar scheint an den Finanzmärkten inzwischen ein gewisser Gewöhnungseffekt erkennbar zu sein. Die relative Ruhe und Gelassenheit könnte sich jedoch als trügerisch herausstellen. In den Peripherie-Staaten wächst der politische Widerstand gegen die EU-Fiskalregeln. Populistische Kräfte, rechts wie links, fordern eine Abkehr von der Spar- und Reformpolitik. Das birgt erhebliche Gefahren für die Eurozone.

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