EZB: Notfalls handlungsbereit

Die EZB hat im Rahmen der heutigen Sitzung ihre Forward Guidance adjustiert. Hieß es im geldpolitischen Statement bislang, dass die Leitzinsen mindestens über das Ende 2019 auf dem aktuellen Niveau verbleiben werden, wurde dieser Zeitrahmen nun bis mindestens Mitte des kommenden Jahres ausgedehnt. Damit tragen die Notenbank-Oberen den derzeit auszumachenden Risikofaktoren (Handelsstreit / Brexit) für den gesamteuropäischen Konjunkturausblick Rechnung. Die vorsichtige Haltung der Notenbank spiegelt sich auch in den überarbeiteten Stabsprojektionen wider. Für die Zeithorizonte 2020 und 2021 wurde der Wachstumsausblick leicht nach unten revidiert. Zugleich war Draghi aber auch bemüht, nicht übermäßig pessimistisch zu wirken. So verwies er in diesem Zusammenhang auf die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Die Inflationsprojektionen wurden nur geringfügig angepasst. Bemerkenswert ist, dass der längerfristige Ausblick (2021) unverändert geblieben ist. Marktseitig waren zuletzt verstärkt Zweifel aufgekommen, wonach die EZB ihr selbstgestecktes Inflationsziel erreichen kann. Diesen Befürchtungen hat Draghi durchaus energisch widersprochen. Seiner Einschätzung nach seien gegenwärtig keine Deflationsgefahren auszumachen. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession gering. Zugleich hob der Notenbankchef aber auch hervor, dass die Notenbank im Falle eines Falles durchaus gewappnet sei. Eine Zinssenkung oder die Wiederbelebung des Anleiheankaufprogramms seien durchaus mögliche Handlungsoptionen und der rechtliche Rahmen böte der EZB alle Möglichkeiten.

Im Zuge der heutigen Ratssitzung wurden auch die genauen Konditionen für die TLTRO III Geschäfte bekanntgegeben. Gegenüber den bisherigen Langfristtendern fällt der Zinsbonus mit maximal 30 Basispunkten etwas weniger großzügig aus. In Anbetracht der Marktreaktionen hatten sich die Marktakteure scheinbar eine etwas „dovishere“ EZB erhofft. Zinssenkungsfantasien wurden wieder etwas revidiert. Dennoch bleibt die EZB abhängig von externen Risiken. Dass sich diese legen, ist Angesichts der jüngsten geopolitischen Entwicklungen nur eine Hoffnung.

 

 

 

 

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