Kein Einigungswille in Rom

Die Auseinandersetzung zwischen der EU Kommission und der italienischen Regierung um die Finanzpolitik droht zu eskalieren – wieder einmal, muss man sagen. Während man sich im letzten Jahr noch auf einen Formelkompromiss geeinigt hat, der von Anfang an völlig unrealistisch war, scheint eine gütliche Einigung jetzt noch unwahrscheinlicher zu sein. Rom zeigt sich nicht bereit, auch nur die Notwendigkeit einer finanzpolitischen Koordinierung im Währungsraum anzuerkennen.

Vor allem Innenminister Salvini, der spätestens seit den Europawahlen eindeutig der starke Mann in einer schwachen Regierung ist, möchte politisches Kapital aus dem Streit mit Brüssel ziehen. Er weiß, dass er damit bei den europaskeptischen Wählerschichten leichte Punkte machen kann, und will das für den kommenden Wahlkampf nutzen. Daher wird es mit ihm auf absehbare Zeit auch keine Einigung geben.

Dabei zeigt das Beispiel Italiens, wie verheerend eine über Jahre und Jahrzehnte fehlgeleitete Finanzpolitik sich auf die Wirtschaft eines Landes auswirkt. Die Wachstumskräfte sind verdorrt, die Produktivität sinkt und die Unternehmen investieren zu wenig. Trotzdem sucht Salvini die Schuld für das italienische Dilemma in Brüssel. Die Europäische Union darf ihm das nicht länger durchgehen lassen, am Defizitverfahren führt nun kein Weg mehr vorbei. Ob das auch die Chancen für eine Einigung erhöht, bleibt allerdings abzuwarten.

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