Mittelstand kann sich globaler Konjunkturabkühlung nicht ganz entziehen

Die Stimmung der mittelständischen Unternehmen hat sich in diesem Frühjahr erneut leicht verschlechtert. Dies zeigen die Ergebnisse der neuen Mittelstandsstudie der DZ BANK und des BVR. Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage gab es sogar den zweiten Rückgang in Folge: Der Saldo aus positiven und negativen Antworten sank gegenüber unserer Herbstumfrage von 79,3 auf 73,6 Punkte. In einer globalisierten Welt können sich auch die am Heimatmarkt orientierten Mittelständler den Auswirkungen gestiegener internationaler Risiken nicht ganz entziehen. Im langjährigen Vergleich fällt das derzeitige Geschäftslageniveau aber immer noch gut aus. Zudem rechnen die Mittelständler nicht mit einer anhaltenden Schwächephase. Nach einer deutlichen Verringerung im letzten Herbst blicken sie bereits wieder etwas optimistischer in die Zukunft: Der Saldo der Geschäftserwartungen steigt von 21,1 auf 24,1 Punkte.

In den vergangenen Jahren hat sich immer mehr gezeigt, dass der Fachkräftemangel zu einem allgemeinen Problem der deutschen Wirtschaft wird. Im Mittelstand hat er mittlerweile Unternehmen aller Branchen und Größenklassen erfasst. Lediglich 3,3% der Befragten gaben an, vom Fachkräftemangel nicht betroffen zu sein. Die Unternehmen versuchen mit einer stärkeren Mitarbeiterbindung gegenzusteuern. Dazu gehören etwa Qualifizierungsmaßnahmen, Gehaltserhöhungen und betriebliche Altersvorsorge. Bei fast einem Viertel der Befragten erschweren allerdings Wohnungsmangel und hohe Mieten die Anwerbung von Fachkräften und den Kapazitätsausbau des eigenen Unternehmens. In Bayern sind es sogar noch deutlich mehr.

Angesichts der globalen Konjunkturabkühlung fahren die deutschen Mittelständler ihr Auslandsengagement zurück. Trotzdem sind noch mehr als die Hälfte im Ausland aktiv, insbesondere bei den europäischen Nachbarn. Die räumliche Nähe erleichtert ebenso wie der Binnenmarkt und die gemeinsame Währung den Unternehmen die Erschließung ausländischer Märkte. Dies zeigt aber auch, dass die Globalisierung mit ihren Chancen und Risiken im Mittelstand angekommen ist: 68,8% der Mittelständler erwarten Auswirkungen des Brexits auf ihr Unternehmen, 47,4% rechnen mit zunehmender Konkurrenz durch chinesische Unternehmen.

Der Mittelstand wird dennoch auch 2019 weiter wachsen und damit eine stabile Säule der deutschen Wirtschaft bleiben. Die überdurchschnittliche Orientierung am heimischen Markt macht die kleinen und mittleren Unternehmen weniger anfällig für die Auswirkungen internationaler Krisen. Und davon können sie in Zeiten wie diesen profitieren.

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