US-Notenbank in der doppelten Zwickmühle

In dieser Woche wird die US-amerikanische Notenbank Fed über die weitere Zinspolitik beraten. Bis vor kurzen war es noch fast eine ausgemachte Sache, dass die Zinsen in den USA weiter steigen werden. Der Handelskonflikt und, damit einhergehend, steigende Wachstumssorgen haben in den zurückliegenden Wochen jedoch die Erwartung aufkommen lassen, dass die Fed im Laufe des Jahres die Notenbankzinsen bis zu dreimal senken wird. Manche Investoren schließen eine Zinssenkung selbst in dieser Woche nicht aus.

Nun steckt die US-Notenbank wieder einmal in einem Dilemma. Es liegt nicht in ihrem Interesse, jegliche Leitzinssenkungsphantasie im Keim zu ersticken. Dies könnte zu einer hohen Finanzmarktvolatilität führen und weitergehende Rezessionsängste des Marktes heraufbeschwören. Die Fed wird aber auch nicht die Marktteilnehmer in ihren Erwartungen von schnellen und kräftigen Leitzinssenkungen beflügeln wollen. Demzufolge muss der Spagat gelingen, die Tür für eine mögliche expansivere Geldpolitik zu öffnen, ohne allzu besorgt zu klingen. Die der Sitzung folgende Presseerklärung wird entsprechend ausgewogen sein. Aber generell wird man die Zinssenkungserwartungen bestärken. Diese könnten die Finanzmärkte kurzfristig unterstützen. Jedoch sollte das keine nachhaltige Entwicklung sein.

Das eigentliche Problem der Fed sind die geringen Handlungsmöglichkeiten, wobei sie mehr gegen einen konjunkturellen Abschwung unternehmen kann als andere Notenbanken. Zudem kommt die Unabhängigkeit zunehmend in den Mittelpunkt der Diskussion. Letztlich fordert US-Präsident Trump bereits seit einiger Zeit niedrige Zinsen. Dies hat die Fed bislang abgelehnt, lenkt nun aber ein. Ob es auch ein wenig dem politischen Druck geschuldet ist oder tatsächlich nur den steigenden Konjunkturrisiken, lässt sich nicht sagen. Aber es lässt sich festhalten, dass eine Zinssenkung in den kommenden Monaten die erste wäre bei einer solch niedrigen Arbeitslosigkeit und Inflation.

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