Hochmut kommt vor dem Knall – Droht ein Ende der Sommerrallye?

Fed-Chef Powell hat US-Aktien in dieser Woche zu Rekordständen getrieben. Die ersten Zinssenkungen der US-Notenbank seit der Finanzkrise stehen an. Diese könnten tatsächlich nötig werden, denn der Handelsstreit zwischen Washington und Peking hinterlässt Spuren im Getriebe der Weltwirtschaft. Sichtbar ist dies weltweit an den volkswirtschaftlichen Frühindikatoren und hierzulande an den Zahlen der börsennotierten Konzerne. Fast täglich veröffentlichen deutsche Unternehmen Gewinnwarnungen, insbesondere Firmen aus den zyklischen Sektoren Halbleiter, Maschinenbau, Chemie und Autos.

Der Ausblick auf eine Fortsetzung der weltweit lockeren Geldpolitik dürfte mittelfristig dazu führen, dass der sogenannte „Tina“-Trade (englisch „There is no alternative“) am Aktienmarkt eine Wiederbelebung erfahren wird. Anleger werden weiterhin versuchen, der „Unterwelt“ negativer Zinsen am Anleihemarkt zu entkommen und Einkommen durch Immobilien und Aktien zu erwirtschaften. Dividendenstrategien sollten am Aktienmarkt stark nachgefragt bleiben, ebenso wie Titel aus defensiven Branchen. An dieser Strategie ist per se nicht viel auszusetzen, denn dadurch werden Portfolios meist robuster. Allerdings ist die Bewertung defensiver Titel bereits stark angestiegen.

Der Grenznutzen sinkender Zinsen ist für die Unternehmen in den vergangenen Jahren immer geringer geworden. Stärker als auf die betriebswirtschaftlichen Planungen der Unternehmen wirken die niedrigeren Zinsen auf die Mittelverwendung (u.a. Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe) sowie die generelle Stimmung an den Märkten. Mittelfristig erwarten wir, dass der Einfluss der aktuellen Zinssenkungshysterie wieder aus dem Aktienmarkt entweichen wird.

Weder die Gewinnaussichten der Unternehmen noch die Aktienmarktbewertung stützen einen weiteren Anstieg der Indizes. Dies gilt besonders für den US-Aktienmarkt, dessen schwaches Gewinnmomentum fast ausschließlich durch Titel aus den Sektoren Technologie und Banken getragen wird und dessen Bewertung zunehmend an historische Obergrenzen stößt.

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