USA: Moderate Inflation – trotz robuster Konjunktur

Ein insgesamt moderater Ausblick für die Inflation hatte der US-amerikanischen Notenbank den Spielraum gegeben, bereits mit dem vergangenen Jahreswechsel ihren geldpolitischen Normalisierungskurs zu beenden. Dafür ist vor allem der verhaltene Lohnanstieg verantwortlich, der trotz einer historisch niedrigen Arbeitslosigkeit verzeichnet wird. Auch Fed-Chef Jerome Powell hat jüngst darauf hingewiesen, dass sich der Zusammenhang zwischen einer guten Beschäftigungslage und den Steigerungsraten bei den Löhnen gelockert hat. Damit fällt auch der daraus resultierende Auftrieb bei den Verbraucherpreisen niedriger aus als in früheren konjunkturellen Erholungsphasen.

Dennoch dürften die Inflationsraten in den kommenden Monaten etwas anziehen. 2019 rechnen wir im Durchschnitt mit einer Teuerungsrate von 2,0 Prozent, 2020 sollte die Inflation bei 2,4 Prozent liegen. Beim Ausblick für das kommende Jahr schlagen sich neben den wieder leicht anziehenden Lohnforderungen auch ein Basiseffekt und die bestehenden Strafzölle auf Importe aus China bei den Verbraucherpreisen nieder. Der Ölpreis wird hingegen wohl eher inflationsdämpfend wirken.

Nach unserer Einschätzung bleiben die Zölle gegenüber China vorerst bestehen, auch wenn auf dem G20-Gipfel Ende Juni vereinbart wurde, die Konsultationen wieder aufzunehmen. Einen ernsthaften Hinweis auf eine Annäherung hat es bisher aber nicht gegeben. Deshalb dürften auch die Inflationserwartungen bei den privaten Haushalten und damit die Lohnforderungen leicht anziehen. Einige Unternehmen haben bereits angekündigt, mit fortschreitender Dauer des Konflikts die erhöhten Kosten weiterzureichen. Dies dürfte tatsächlich allerdings der starke Wettbewerbsdruck beim Einzelhandel begrenzen. Unterm Strich rechnen wir damit, dass der Aufschlag durch den Konflikt mit China für die Inflationsrate bei rund 0,2 Prozentpunkten liegt.

Die US-Notenbank hat angesichts dieses moderaten Ausblicks für die Inflation durchaus den Spielraum, am Monatsende einen „Sicherheitsschritt“ in Form einer Zinssenkung zu vollziehen. Hinzu kommt, dass sich der konjunkturelle Schwung und auch der Beschäftigungsaufbau verlangsamt haben, so dass derzeit die Gefahr einer Überhitzung der Wirtschaft eher gering ist. Andererseits sprechen nicht nur die Juni-Daten vom Einzelhandel oder der Industrie gegen einen konjunkturellen Einbruch. Auch bei dem recht hohen Niveau der Stimmungsindikatoren wäre die Fed in früheren Zeiten kaum aktiv geworden.

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