Währungskrieg – Ausdruck der geldpolitischen Ausweglosigkeit

Die Hemmungen für eine politische Beeinflussung der Geldpolitik sind offenbar nicht nur in Ländern mit entsprechend schlechtem Ruf gefallen. Der Schritt zur nächsten Grenzübertretung liegt nahe: die Aktivierung der Währungspolitik; nicht mehr nur unterschwellig durch den politischen Versuch, die Geldpolitik von der Notwendigkeit einer noch stärkeren Expansion zu überzeugen, sondern durch eine gezielte Abwertungspolitik der heimischen Währung.

Nicht umsonst überschlagen sich seit einigen Monaten nicht nur die Zinssenkungsspekulationen. Auch die leidliche Debatte über einen globalen Währungskrieg nimmt wieder an Fahrt auf. Auch wenn die Diskussion vertraut klingen mag, hat sie aktuell eine neue Komponente. Die Finanzmärkte erkennen die Grenzen der klassischen Geldpolitik und die (gefühlte) Ausweglosigkeit der Notenbanken inzwischen so sehr an, dass sie sogar Spekulationen über Devisenmarktinterventionen Raum geben. Und dies nicht nur bei den üblichen Verdächtigen (China, Schweiz), sondern erstmals seit weit über zwei Jahrzehnten auch wieder in den USA. Ebenso bereitwillig unterstellt man den anderen Währungsoffiziellen weltweit, dieser Überschreitung des Rubikon ohne langes Zögern zu folgen und Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Oder mit anderen Worten: willkommen im globalen Währungskrieg.

Bislang geht es nur um den Aufbau einer währungspolitischen Drohkulisse. Vergleichbar mit dem atomaren Wettrüsten des letzten Jahrtausends, setzen alle Beteiligten darauf, dass niemand bei klarem Verstand den ersten Schritt tun wird, da man sich – eigentlich – einig ist, dass eine atomare (beziehungsweise währungspolitische) Eskalation langfristig nur Verlierer kennt. Charakteristisch für ein Gleichgewicht des Schreckens ist seine Dynamik aus wechselseitigen, sich hoch schaukelnden Drohungen. Vieles spricht daher dafür, dass das letzte Wort zwischen den Supermächten am Devisenmarkt noch nicht gesprochen ist, sondern wir weltweite Verbalinterventionen bald zu unserem Alltag zählen werden.

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