Geopolitischer Konflikt erhöht den Ölpreis nicht dauerhaft

Die Spannungen im Persischen Golf sorgen für Turbulenzen am Rohölmarkt. In der Straße vom Hormus legte der Iran einen unter britischer Fahne fahrenden Öltanker an die Kette. Rund ein Drittel des über den Seeweg transportierten Rohöls durchquert die Meerenge an der südlichen Küste des Irans. Daher werden die Ereignisse sehr aufmerksam beobachtet. Allerdings bleibt ein nachhaltiger Anstieg des Rohölpreises aus. Ein Grund hierfür ist, dass nicht mit einer weiteren Eskalation zu rechnen ist. Der Iran wird den Konflikt-Bogen nur so weit spannen, dass eine militärische Auseinandersetzung vermieden werden kann. Die USA setzen überwiegend auf die eingeschlagene Sanktionspolitik gegen den Iran und wollen eine militärische Eskalation ebenfalls vermeiden. Die Festsetzung des Tankers wird von vielen Marktteilnehmern auch als Retourkutsche auf den vor Gibraltar vertäuten iranischen Tanker gesehen. Teheran sendet derweil versöhnlichere Töne und bietet einen Tausch beider Öltanker an. Zumindest bislang reicht der geopolitische Konflikt nicht aus, um den Rohölpreis dauerhaft auf einem höheren Niveau zu stabilisieren.

Obwohl die Opec+ ihren Kürzungsplan um neun Monate verlängert hat, setzt sich am Rohölmarkt allmählich durch, dass sich die Knappheit mit Blick auf 2020 spürbar reduzieren wird. Die Produktion in den USA steigt weiter. Auch Brasilien, Kanada und Norwegen werden ihre Produktion erhöhen. Damit sinkt der Einfluss der Opec auf den Ölpreis. Das Kartell selbst hat am 11. Juli verlauten lassen, dass der Bedarf an Opec-Rohöl („Call on Opec“) im nächsten Jahr dramatisch fällt.

Denn auch das Nachfragewachstum schwächt sich wegen der andauernden internationalen Handelsstreitigkeiten weiter ab. Da wir im Handelsdisput keine schnelle und zufriedenstellende Lösung erwarten, werden sich die Verbrauchsperspektiven weiter eintrüben. Zwar dürfte die Nachfrage 2020 weiter leicht steigen, aber nicht so zügig wie das Angebot. Damit entspannt sich die Lage am Rohölmarkt spürbar. Nichtsdestotrotz kann die Situation im Persischen Golf weiter deutlich eskalieren. Eine offene militärische Auseinandersetzung hätte das Potenzial, den Preis zumindest kurzfristig massiv steigen zu lassen. Aufgrund der oben skizzierten politischen Argumente erwarten wir dies aber nicht und bestätigen auf Sicht der nächsten zwölf Monate unsere Brent-Ölprognose von 55 US-Dollar je Barrel.

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