US-Notenbank bleibt vernünftig

Die US-amerikanische Notenbank hat ihren Leitzins, wie von den meisten Marktteilnehmern erwartet, um 25 Basispunkte gesenkt. Gleichzeitig hat sie die Bilanzreduktion vorzeitig beendet. Insgesamt hat die Fed damit das geldpolitische Umfeld leicht gelockert, es aber vermieden, dies als Trendwende zu klassifizieren. Damit hat sie dem hohen politischen Druck widerstanden und ihre relativ vernünftige Geldpolitik fortgesetzt.
Das Statement, das nach dem Zinsentscheid veröffentlicht wurde, klingt optimistisch und kaum verändert. So hat die Fed attestiert, dass das Wirtschaftswachstum anhaltend moderat ausfalle und die Konsumtätigkeit zugelegt habe. Die markt-basierten Inflationserwartungen seien weiterhin niedrig. Die Auswirkungen der sich abkühlenden globalen Wirtschaftsentwicklung sowie der gedämpfte Inflationsdruck erklären die Leitzinssenkung um 25 Basispunkte. Nun werde man die Entwicklungen „weiter beobachten“, was eine sprachliche Abrüstung gegenüber der Formulierung „eng beobachten“ ist, mit der in der Regel eine baldige geldpolitische Maßnahme signalisiert wird. In der Pressekonferenz erklärte Fed-Chef Powell erneut, dass der Ausblick für die US-Wirtschaft günstig sei und die geldpolitische Lockerung diese Entwicklung unterstützen soll. Insbesondere basiere die Lockerung der geldpolitischen Zügel auf drei Säulen. So solle die jüngste Entscheidung dazu beitragen, die Preisniveauentwicklung in Richtung des Inflationsziels zu bringen. Außerdem sei sie dem Handelskonflikt sowie dem globalen Konjunkturabschwung geschuldet. Der Zinsschritt sei ein „mid-cycle-adjustment“.

Die Märkte haben insgesamt enttäuscht reagiert. In einer ersten Reaktion haben die Aktienmärkte rückläufig tendiert. Die Renditen der US-Treasuries sind gestiegen. In diesem Zusammenhang haben die Zweijahresrenditen deutlich stärker reagiert als das lange Ende der Kurve. Die Renditekurve hat sich mithin erneut verflacht. Damit wird am Finanzmarkt wieder über die Aussagekraft der Renditestrukturkurve diskutiert. Etliche Marktteilnehmer sehen in der deutlichen Verflachung ein rezessives Signal. Die Reaktion des US-Präsidenten ließ auch nicht lange auf sich warten. Alle Finanzmarktteilnehmer hätten seiner Meinung nach auf einen aggressiven Zinssenkungszyklus der Fed gewartet. Die Fed lasse aber ihn und das ganze Land im Stich. Immerhin sei die quantitative Lockerung beendet worden, die gar nicht erst hätte beginnen dürfen. Hilfe von der Fed bekomme er zwar nicht, aber trotzdem werde er gewinnen.

Der Fed-Vorsitzende hat klargemacht, dass ein leicht akkommodierender Kurs angebracht ist. Seine Erläuterungen klingen nicht gerade nach dem Beginn eines klassischen Leitzinssenkungszyklus. Diese Einschätzung wird auch von Powell explizit bestätigt. So gab er zu Protokoll, dass der geldpolitische Rat derzeit keinen neuen Zinszyklus sehe. Dabei schloss der Fed-Vorsitzende aber auch nicht aus, dass weitere Zinssenkungen oder -erhöhungen folgen könnten. Die weitere Ausrichtung der Geldpolitik hänge an den fundamentalen Daten, wobei das Risiko einer Rezession in den Vereinigten Staaten derzeit gering sei. Damit bleibt die Fed hinsichtlich ihrer zukünftigen geldpolitischen Ausrichtung vage, was angesichts des wirtschaftlichen und politischen Umfelds angemessen, für manche Marktteilnehmer jedoch eine ungewohnte und neue Kommunikationspolitik ist.

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