EWU-Konjunktur findet noch keinen Halt

Die Aussichten für die Konjunktur im Euro-Raum haben sich im Juli weiter eingetrübt. Das zeigt der Euro-Indikator der DZ BANK, der im abgelaufenen Monat um 0,3 Prozent gesunken ist. Der Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung steht nunmehr bei 98,4 Punkten, das ist der niedrigste Stand seit rund drei Jahren. Die Jahresveränderungsrate hat im Juli ebenfalls leicht nachgegeben, sie fiel von -1,8 auf
-1,9 Prozent.

Wie bereits in den vergangenen Monaten zeigte sich der Industriesektor besonders schwach. Die Auftragseingänge waren rückläufig und die Unternehmen haben ihre Produktionserwartungen für die kommenden Monate weiter reduziert. Auch die von IHS Markit befragten Einkaufsmanager zeigten sich pessimistischer. Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone fiel im Juli auf den tiefsten Stand seit Dezember 2012. Geschadet haben der Binnen- und Exportnachfrage laut den Befragten die anhaltenden Handelskonflikte, die Krise der Automobilindustrie und die politische Unsicherheit.

Unterdessen zeigten die Finanzmärkte im abgelaufenen Monat ein gemischtes Bild. Während die Erwartungen in Bezug auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik die Notierungen an den Aktienmärkten steigen ließen – der MSCI-Index für den Euro-Raum legte im Monatsdurchschnitt immerhin um mehr als drei Prozent zu – sorgten die sinkenden Renditen auf langlaufende Staatsanleihen für eine weitere Verflachung der Zinsstrukturkurve. Die Differenz zwischen den Geldmarktzinsen (3-Monats-Euribor) und der Rendite auf deutsche Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit ist auf Null zusammengeschmolzen. Das war zuletzt im Dezember 2008 der Fall, im Rahmen der „großen Rezession“.

Rezessionsängste scheinen die europäischen Konsumenten derzeit dennoch nicht zu plagen. Die Messzahl für das Verbrauchervertrauen, die die EU-Kommission monatlich ermittelt, ist jedenfalls etwas überraschend im Juli leicht angestiegen. Dabei haben sich die Erwartungen der privaten Haushalte im Hinblick auf die allgemeine Konjunkturentwicklung im Vergleich zum Vormonat leicht verbessert, auch die eigene finanzielle Situation wird weiterhin positiv eingeschätzt. Die Neigung zu größeren Anschaffungen ist sogar auf das höchste Niveau seit acht Monaten angestiegen.

Insgesamt lässt der Euro-Indikator für die kommenden ein bis zwei Quartale keine konjunkturelle Trendwende erwarten, ein kräftigeres Wachstum zeichnet sich nicht ab. Sollte sich die Talfahrt im Industriebereich weiter fortsetzen, erscheint auch eine gesamtwirtschaftliche Rezession durchaus möglich. Derzeit sorgen jedoch vor allem der stabile Arbeitsmarkt und die robuste Konsumnachfrage dafür, dass die negativen Impulse aus dem verarbeitenden Gewerbe kompensiert werden können und das Bruttoinlandsprodukt weiter zulegen kann, wenn auch nur mit sehr geringen Wachstumsraten.

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