EZB, Banken und negative Zinsen

Die EZB möchte die Zinsen weiter senken. Man glaubt im EZB-Rat fest daran, dass noch niedrigere Zinsen am Ende zu einer höheren Inflation oder zumindest einer höheren Inflationserwartung führen. Jedoch bringen negative Zinsen einige volkswirtschaftliche Kosten mit sich. Die Überschussliquidität im Euroraum-Bankensystem liegt zurzeit bei rund 1.800 Mrd. Euro. Damit zahlen die Banken also etwa 7 Mrd. Euro an Zinsen pro Jahr an die EZB. Dabei sind die Banken in sehr unterschiedlichem Maße vom negativen Einlagesatz betroffen, da die Überschussliquidität ungleichmäßig im Euroraum verteilt ist. Der Großteil (35%) der bei der EZB geparkten Gelder stammt von deutschen Banken. Auf französische Institute entfällt mit etwas über 25% ebenfalls ein beträchtlicher Anteil. Demgegenüber parken italienische (5%) oder spanische (4%) Banken nur in sehr geringem Umfang Liquidität bei der Notenbank.

Wenn nun der Einlagesatz von minus 0,4% weiter gesenkt wird, steigen die Zinszahlungen entsprechend weiter an. Bereits die aktuellen Zinszahlungen wirken wie eine Sondersteuer und sind für die Banken eine Belastung, die sowohl die Profitabilität als auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit schmälert. Perspektivisch dürfte sich diese Belastung entsprechend weiter vergrößern.

Es gibt einige Modelle, die negativen Folgen von solchen geldpolitischen Maßnahmen zu mindern. So könnte man dem dänischen Modell folgen und den Zinssatz für Liquidität auf Girokonten bei null belassen. Damit die Banken zur Vermeidung des Strafzinses nicht ihre gesamten Gelder auf das Girokonto umschichten, wurde hier jedoch eine Obergrenze eingeführt, die regelmäßig überprüft wird. Alternativ könnte man auch dem Schweizer Modell folgen und Freibeträge einführen, die sich grundsätzlich nach Mindestreserve und Bargeldhaltung richten.

Die EZB scheint überzeugt zu sein, dass eine weitere Absenkung der Notenbankzinsen notwendig ist. Jedoch ist es nun auch an der Zeit, die volkswirtschaftlichen Kosten der geldpolitischen Maßnahmen zu berücksichtigen.

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2 Kommentare

Matthias Ginsberg

Schon richtig, aber es gäbe noch einen besseren Weg: Wenn nämlich in der Höhe, in der die Banken Negativ-Zinsen zu zahlen hätten, das Eigenkapital gestärkt würde (ggf. über eine Art „Sonder-Rücklage“, die dem harten Kernkapital zugerechnet werden könnte). Das würde a) den Bestrebungen i.R. von Basel IV entgwegenkommen und b) in Zeiten wie diese wirklich sinnvoll sein.
M. Ginsberg

Der erste Weg wäre, wenn die Banken endlich anfangen mit ihrem eigen Geld zu handeln. Diese Art mit weniger 3 Prozent Eigenkapital auf den Markt zu handeln…kann nicht sein….

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