Geben und Nehmen

Wie geht es weiter im Handelskonflikt zwischen USA und China? Immer weitere Zolldrohungen von amerikanischer Seite, bis hin zu Einfuhrbeschränkungen. Auf diese Eskalation antwortet die chinesische Seite ihrerseits mit weiteren Handelsbeschränkungen, einer spürbaren Abwertung der Währung und am Ende verkauft die chinesische Zentralbank ihr größtes Pfand, US Staatsanleihen. In Folge geht der Welthandel in eine Rezession und das globale Wirtschaftswachstum schwächt sich spürbar ab. So könnte es kommen, insbesondere getrieben von der amerikanischen Seite.

Jedoch erscheint es mir nicht sehr wahrscheinlich. Die US-amerikanische Volkswirtschaft würde in diesem Szenario relativ zu China und anderen exportorientierten Volkswirtschaften zwar weniger Wachstumsverluste verzeichnen, aber auch die US-Wachstumsdynamik würde nachlassen. Dies sollte sich dann auch auf den Arbeitsmarkt und die Aktienmärkte nachhaltig negativ auswirken. Spätestens dann kommt US-Präsident Trump in Erklärungsnot, insbesondere im kommenden Wahljahr. Es ist daher wahrscheinlich, dass wir immer wieder Phasen mit einem positiven Verlauf der Gespräche bekommen, aber auch Phasen, in denen die USA den starken Mann spielen.

China wird in der Zwischenzeit die noch reichlich vorhandenen fiskalischen Spielräume nutzen und mit einer höheren Verschuldung negative Wachstumseffekte zumindest teilweise kompensieren. Gleichzeitig sollte die moderate Abwertungstendenz im Yuan anhalten. Dabei wird man sicherlich auf der Chinesischen Seite mit Augenmaß vorgehen, aber man wird die eigene Währung sicherlich nutzen um die negativen Folgen des Handelskonflikts zu mildern. Nach unseren Berechnungen müsste der Yuan bis auf ein Niveau von etwa 7,40 abwerten, um die jüngsten Zollandrohungen zu kompensieren. Soweit sollte die chinesische Regierung jedoch dann doch nicht gehen.

In den nächsten Monaten kann man also weiterhin das bekannte Sägezahnmuster erwarten. Jedoch, der generelle Trend sollte latent nach oben zeigen. Die Finanzmärkte werden natürlich auch in den kommenden Monaten auf die entsprechenden Nachrichten reagieren, aber es sollte sich auch hier ein Abnutzungseffekt ergeben, so dass die Ausschläge kleiner werden. Am Ende sollte eine Einigung zwischen China und USA stehen, die hoffentlich auch wichtige Punkte, wie der Umgang mit geistigen Eigentum, regelt. Dabei ist aber zu beachten, dass die USA hier auf ihren Nutzen schaut und nicht für Europa mitverhandelt. Die EU wird sich um ihre Belange selbst kümmern müssen.

 

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Ein Kommentar

Adolf Trautmann

Gute Hilfestellung.

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