Kreditnachfrage weiterhin robust

Im zweiten Quartal dieses Jahres haben steigende Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staats nicht ausgereicht, um den schwächeren Außenhandelsbeitrag zu kompensieren. Daher ist die deutsche Wirtschaft gegenüber dem Winterquartal leicht um 0,1% geschrumpft. Insbesondere die exportabhängige deutsche Industrie spürt die nachlassende Nachfrage aus dem Ausland. Aber selbst aus dem Inland waren die Auftragseingänge zuletzt rückläufig.

Bisher hat die Konjunkturabkühlung in Deutschland noch nicht die Kreditmärkte erfasst. Die Unternehmenskreditbestände haben auch im zweiten Quartal wieder dynamisch zugelegt. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist der hohe Stellenwert, den der Bankkredit zumindest bei den mittelständischen Unternehmen in Deutschland nach wie vor hat. Zudem sorgen Ersatzinvestitionen und vor allem Investitionen in Maßnahmen zur Kapazitätserhaltung weiterhin für eine solide Kreditnachfrage, auch wenn derzeit ein Ausbau angesichts der nur durchschnittlich ausgelasteten Kapazitäten im verarbeitenden Gewerbe weniger gefragt ist.

Während die Firmenkundenkreditmärkte in Deutschland und Frankreich boomen, haben sich die Rückgänge der Bestände an Unternehmenskrediten bei den Banken in Spanien und Italien zur Jahresmitte beschleunigt. Erfreulich ist, dass in fast allen Ländern des Euroraums weitere Fortschritte beim Abbau „fauler Kredite“ erzielt wurden, allerdings ohne dass Entwarnung angesagt wäre: Zum einen ist der Anteil solcher Kredite in Ländern wie Griechenland, Zypern, Lettland, Portugal oder Italien immer noch besorgniserregend hoch. Zum anderen muss angesichts der konjunkturellen Eintrübung künftig wieder mit einer höheren Zahl an Unternehmensinsolvenzen gerechnet werden. Zudem dürfte sich das Kreditwachstum in Deutschland und Europa allmählich abschwächen.

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