Schlechte Nachrichten für die deutsche Industrie: Auftragseingänge fallen weiter

Geopolitische Unsicherheiten und die Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China sorgen für eine Abkühlung des Welthandels, dem sich vor allem die exportabhängigen Industrieunternehmen in Deutschland nicht entziehen können. Immerhin erzielen sie rund 50% ihres Umsatzes im Ausland. In der Autoindustrie, dem Maschinenbau oder der chemischen Industrie sind es sogar über 60%. Die Auftragseingänge gaben dementsprechend im Juli weiter nach und blieben um 5,6 Prozent hinter dem Vorjahresmonat zurück.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren die Aufträge in allen großen Segmenten des verarbeitenden Gewerbes rückläufig. Die globale Konjunkturabkühlung sorgt somit mittlerweile nicht mehr nur für eine Schwäche bei den exportabhängigen Branchen. Da die Unternehmen dieser Branchen angesichts der geringeren Auslastung selbst weniger Aufträge vergeben, wird mittlerweile auch die Binnennachfrage belastet.

Etwas beruhigt hatte sich im zweiten Quartal zwar die Nachfrage aus dem Nicht-Euro-Ausland. So konnten die Ausfuhren aus Deutschland in die USA im ersten Halbjahr mit 4,3% weit überdurchschnittlich zulegen. Die gesamten deutschen Warenexporte wuchsen im gleichen Zeitraum „nur“ um 0,5%. Ursache hierfür dürfte neben dem soliden Wachstum der US-Wirtschaft auch ein Umschwenken der dortigen Nachfrage von chinesischen Erzeugnissen auf Güter anderer Länder sein. Dadurch können einige Unternehmen zwar einen Teil ihrer Verluste aus anderen Regionen kompensieren. Allerdings gingen die Aufträge aus dem Nicht-Euro-Ausland im Juli bereits wieder besonders deutlich zurück. Außerdem schwebt weiterhin das Damoklesschwert US-amerikanischer Strafzölle auf europäische Autos über den deutschen und europäischen Unternehmen.

Insgesamt ist es angesichts dieser Entwicklung nicht verwunderlich, dass die Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe bereits seit dem Sommer 2018 kontinuierlich sinkt. Mittlerweile liegt sie bei rund 84% und damit nur noch ungefähr auf Höhe ihres langjährigen Durchschnitts. Dass die Entwicklung nicht noch deutlich negativer ausfiel, ist vor allem den noch vergleichsweise soliden Auftragsbeständen zu verdanken.

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