Klein, hohe Wachstumsdynamik und hoch verschuldet

Für Portugal und Griechenland ging es im Zuge der globalen Finanz- und Schuldenkrise gemeinsam in eine tiefe Wirtschaftskrise. Inzwischen hat sich das Blatt gedreht. Beide Länder überraschten im zweiten Quartal 2019 mit einem starken Wachstum: Mit Steigerungsraten von 0,5% und 0,8% gehören Portugal und Griechenland zu den Wachstumstreibern im Euroraum. An dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon weitestgehend auf. Denn die Ausgangslage, die zu diesem Ergebnis geführt hat, ist für beide Länder recht unterschiedlich.

Dass Portugal zeitlich deutlich früher den Sprung aus den roten Zahlen schaffte, liegt vor allem daran, dass das Land bereits frühzeitig begonnen hat, umfangreiche Strukturprogramme umzusetzen und dabei vielfach die Vorgaben der „Troika“ sogar übertraf. In Griechenland hingegen blieb den jeweils amtierenden Regierungen infolge der prekären haushaltspolitischen Lage kaum eine Wahl, als den Forderungen der Troika nachzukommen und harte Reformeinschnitte zu verfolgen. Häufig wurden die Auflagen jedoch unvollständig oder verzögert umgesetzt. Bis heute ist der strukturelle Anpassungsprozess in Griechenland nicht vollständig abgeschlossen.

Eines der größten Probleme beider Länder ist ihre nach wie vor relativ hohe Verschuldung. Griechenland belegte nicht nur 2018 mit 181,1% des Bruttoinlandsproduktes den letzten Platz im gesamten Euroraum; Portugal steht an drittletzter Stelle. Dieser Umstand lässt nur wenig Raum für fiskalische Stimuli. Im Zuge der abgekühlten Weltkonjunktur dürfte der Ruf nach höheren staatlichen Investitionen indes bald lauter werden.

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