Steigender Ölpreis – Kommt jetzt der Inflationsdruck?

Nach den Angriffen auf die Produktionsanlagen für Erdöl in Saudi-Arabien hat sich der Ölpreis deutlich verteuert. Die Preisnotierung für die Nordseesorte Brent stieg sehr abrupt von knapp 60 US-Dollar auf etwas über 65 US-Dollar. Binnen Tagesfrist entspricht das einem historisch kräftigen Anstieg von mehr als acht Prozent. In längerer Perspektive ist der Anstieg und das aktuelle Niveau des Ölpreises jedoch weniger bedenklich.

In den letzten Jahren gab es wesentlich stärkere Ölpreisbewegungen. So ist der Ölpreis zwischen Sommer 2017 und Herbst 2018 um mehr als 70 Prozent auf über 80 US-Dollar angestiegen. Das hat die deutsche Inflationsrate zwar kurzzeitig über die 2-Prozentmarke ansteigen lassen, doch die Teuerungsrate hat sich danach recht schnell wieder normalisiert.

Ist aufgrund der Verteuerung nun mit einer spürbaren Erhöhung der Inflationsrate im Euro-Raum und in Deutschland zu rechnen? Eher nicht. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Ölpreis bei rund 78 US-Dollar lag, ergeben sich für Benzin und Heizöl am aktuellen Rand noch immer preisdämpfende Effekte. Daher würde selbst ein dauerhafter Ölpreisanstieg auf 65 US-Dollar die Inflation in Deutschland im kommenden Jahr nur um etwa 0,1 Prozentpunkte ansteigen lassen. Statt 1,5 Prozent würde sie dann 1,6 Prozent betragen. Für den Euro-Raum insgesamt sieht es nicht viel anders aus. Hier würde sich unsere Inflationsprognose für 2020 von 1,3 auf 1,4 Prozent erhöhen.

Der nur verhaltene Preisdruck vom Ölpreis erklärt sich auch durch das relativ geringe Gewicht an den Verbraucherpreisen. Insgesamt machen Energiegüter im Warenkorb des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für die EWU rund 10 Prozent aus. Der Anteil für Benzin, Diesel und Heizöl fällt dabei mit rund 5 Prozent niedriger aus, in etwa genauso wie in Deutschland.

Zudem ist Deutschland nur vergleichsweise sehr gering von direkten Ölimporten aus Saudi-Arabien abhängig. Nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes Deutschland (MWV) kamen zuletzt nur rund ein Prozent der Importe aus Saudi-Arabien. Selbst wenn die Produktion in Saudi-Arabien längere Zeit eingeschränkt bleiben sollte, droht daher kein akuter Versorgungsengpass.

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