EZB drängt Investoren aus dem Markt

Anleihekaufprogramme von Zentralbanken stellen massive Markteingriffe dar, die sich nachhaltig auf Angebot und Nachfrage auswirken.
So hatte auch die ersten QE-Programms der EZB, das im Frühjahr 2015 startete spürbare Auswirkungen auf die Kapitalbilanz der EWU. Im Jahr 2014 hatten ausländische Investoren 114 Mrd. EUR an EWU-Anleihen gekauft. 2015 reduzierte sich diese Summe dann aber auf 30 Mrd. EUR. In den darauffolgenden drei Jahren drehte sich die Situation um und ausländische Investoren verkauften stolze 470 Mrd. Euro an EWU-Anleihen. Auch inländische Investoren blieben nicht unberührt von der massiven Intervention der EZB: sie flüchteten sich en masse in ausländische Anleihen und Aktien (1.500 Mrd. EUR in den Jahren 2015-2018).

Mit der Beendigung des Programms im Dezember 2018 wendete sich das Blatt jedoch wieder. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres beliefen sich die Käufe von EWU-Anleihen aus den Ausland auf durchaus beachtliche 213 Mrd. EUR. Vor allem französische, italienische und deutsche Anleihen erfreuten sich dabei besonderer Beliebtheit. Gleichzeitig kauften inländische Investoren in dieser Zeit nur 130 Mrd. EUR an ausländische Aktien und Anleihen. Die Abwesenheit der EZB führte somit zu einer deutlichen Erholung der Kapitalbilanz.

Im Umkehrschluss ist nun jedoch damit zu rechnen, dass die erneute Aufnahme des Programms zu einer Verschlechterung der Bilanz führen wird. Da sich die Anleihekäufe der EZB auf „nur“ 20 Mrd. EUR pro Monat belaufen werden, dürfte die Veränderung nicht so drastisch ausfallen wie im Jahr 2015, Spuren wird sie dennoch hinterlassen.

 

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