Der Rubel lässt die Muskeln spielen

Der russische Rubel bewegt sich nach wie vor auf der Sonnenseite des Währungslebens. Er kletterte gegenüber dem Euro jüngst auf den höchsten Stand seit März 2018. Aber auch gegenüber dem robusten Greenback muss er sich nicht verstecken. Hier kann er momentan, verglichen mit Werten vom Jahresbeginn, ein Kursplus von rund 8,5% verbuchen. Rückenwind erfährt er derzeit einerseits von dem wieder etwas aufgehellten globalen Emerging-Markets-Sentiment. Dass der Markt Schwellenländerwährungen wieder zuversichtlicher gegenübersteht, ist mehreren Dingen zuzuschreiben: der grundsätzlichen Suche der Investoren nach Rendite sowie der expansiveren geldpolitischen Gangart der Fed – besonders den sich im US-chinesischen Handelsstreit abzeichnenden Entspannungstendenzen – sowie der marktseitig nachgelassenen Furcht vor einem Hard-Brexit. Andererseits ist dem Rubel zuletzt auch der sprunghafte Anstieg der weltweiten Ölpreise infolge eines Drohnenangriffs auf saudi-arabische Ölanlagen zugutegekommen.

Unserer Ansicht nach dürfte sich der Rubel zum Ende des Jahres hin nach wie vor wacker schlagen. Anlass zu dieser Einschätzung gibt uns zum einen unsere Erwartung, wonach sich der Ölpreis (Sorte Brent) auf Sicht von drei Monaten weiterhin im Bereich seiner aktuellen Werte bewegen sollte. Zum anderen dürfte sich an den eingangs beschriebenen grundsätzlich EM-freundlichen globalen Vorgaben auf kurze Sicht wenig ändern.

Perspektivisch rechnen wir jedoch damit, dass sich das Sentiment zulasten des Rubel eintrüben wird. Als potenzielle Belastungsfaktoren sind hierbei zum Beispiel das nach wie vor anämische Wachstum der russischen Wirtschaft sowie deren verhaltene Aussichten zu nennen. Neben den weiterhin bestehenden Handels- und Wirtschaftssanktionen des Westens dürfte hierbei auch das Ausbleiben dringend benötigter Strukturreformen sowie, damit verbunden, die anhaltend restriktive Fiskalpolitik des Staates einem nachhaltig kräftigeren Wachstum der russischen Wirtschaft entgegenstehen. Darüber hinaus ist nicht ausgeschlossen, dass der voranschreitende US-Präsidentschaftswahlkampf dem Rubel im Verlauf des nächsten Jahres unruhigere Zeiten bescheren wird. So erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass in diesem Umfeld auch das Thema US-Sanktionen gegenüber Russland wieder präsent sein und damit für eine erhöhte Volatilität des Rubels sorgen wird.

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