Stimmungsindex in der japanischen Industrie fällt auf ein Sechsjahrestief

Die Stimmung bei Japans großen Industrieunternehmen ist dem jüngsten Tankanbericht der Bank of Japan zufolge auf ein Sechsjahrestief gefallen. Der entsprechende Sentimentindex erreichte im dritten Quartal nur noch einen Wert von 5 Zählern auf der Skala, die von +100 bis ‑100 reicht. Der Stimmungsrückgang hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen hat die exportorientierte japanische Industrie weiterhin Absatzprobleme, die mit dem US-chinesischen Handelskonflikt beziehungsweise einer verringerten Nachfrage aus China zu tun haben. Zum anderen ist im Vorfeld der Mehrwertsteueranhebung (ab 1. Oktober) viel Unsicherheit entstanden über die tatsächlichen Kaufabsichten der inländischen Konsumenten. Der Index der Anschaffungsneigung der privaten Haushalte ist schon seit längerem im Sinkflug. Gleichzeitig gab es aber gute Einzelhandelsumsätze, die offenbar mit Vorzieheffekten zu tun hatten. Nun dürfte die Konsumgüternachfrage aber erst einmal deutlich sinken, mit Auswirkungen auf das Geschäftsumfeld der Unternehmen.

Positiver eingestellt sind die Großunternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Deren Index fiel „nur“ um zwei Punkte auf 21 Zähler. Allerdings fällt die Stimmung in diesem Sektor mit abnehmender Unternehmensgröße immer niedriger aus. Bei den kleinen und nur lokal operierenden Betrieben blieb sie zuletzt mit 10 Punkten aber wenigstens konstant.

So negativ es auch scheinen mag, dass der eingangs genannte Index für die Industrie nun das siebte Quartal in Folge gefallen ist, so bleibt dennoch ein Fünkchen Optimismus für die japanische Wirtschaft übrig: Erstens gibt es immer noch eine – wenn auch sehr kleine – Mehrheit von Firmen in Japan, die trotz aller Probleme ihr aktuelles Geschäftsumfeld im Ganzen noch positiv beurteilen. Und zweitens, die jüngsten Indexwerte des Tankan blieben praktisch über alle Sektoren und Unternehmensgrößen hinweg über den vom Markt erwarteten Niveaus. Insofern war der Tankan eine positive Überraschung.

Bedenklich stimmt gleichwohl, dass der Blick in die weitere Zukunft seitens der japanischen Unternehmen derzeit eher skeptisch bleibt. Fast alle befragten Unternehmen gehen nämlich nicht davon aus, dass sich ihr Geschäftsumfeld in den kommenden Monaten aufhellt, sondern sich eher weiter eintrübt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Regierung am Ende nicht doch noch bereit sein wird, der Investitionstätigkeit und damit der Konjunktur mit einem neuen Fiskalpaket auf die Sprünge helfen wird.

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