Industrieschwäche lastet weiter auf der EWU-Konjunktur

Herbstliche Grautöne dominieren im September 2019 das Konjunkturbild im Euro-Raum. Die Aufhellung im August war also nur vorübergehend. Das jedenfalls folgt aus unseren Berechnungen zum DZ BANK Euro-Indikator, der auf konjunkturelle Wendepunkte frühzeitig hinweisen kann. Im abgelaufenen Monat ist der Euro-Indikator um 0,2 Prozent gesunken. Mit einem Wert von 98,5 Punkten liegt er fast genau auf dem Juli-Niveau und damit dem tiefsten Stand seit rund drei Jahren. Im Vorjahresvergleich verliert der Indikator 1,5 Prozent. Der Rückstand in der J/J-Rate hat sich seit Anfang 2019 vermindert, was darauf hinweist, dass zumindest das Tempo der konjunkturellen Verschlechterung in den letzten Monaten nachgelassen hat.

Im August hatten überraschend positive Daten aus dem Industriesektor den Ton angegeben und den Euro-Indikator ansteigen lassen. Im September wiesen die Industriedaten nun wieder in die Gegenrichtung. Die Umfrage unter den Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe zeigt, dass die Stimmung dort so schlecht ist wie seit rund sieben Jahren nicht mehr. Die Auftragseingänge fielen erneut spärlicher aus, und die Produktionserwartungen für die kommenden Monate sind so verhalten wie seit dem Jahr 2013 nicht mehr. Die industrielle Abschwächung hält also an, auch wenn die meisten Indizes ihre Tiefststände aus den letzten Rezessionen noch nicht erreicht haben.

Schwächesignale kamen auch von den europäischen Arbeitsmärkten, wo sich die Anzahl der offenen Stellen zuletzt vermindert hat. Die Baugenehmigungen gaben im abgelaufenen Monat ebenfalls etwas nach.

Unterdessen haben sich die vier übrigen Komponenten des Euro-Indikators im abgelaufenen Monat etwas verbessert. So sind die Aktienkurse EWU-weit gemäß MSCI-Index im Monatsdurchschnitt September um gut vier Prozent angestiegen. Erstmals seit fast einem Jahr sind auch die Renditen auf langlaufende Bundesanleihen wieder etwas angestiegen, während der Geldmarktzins für drei Monate minimal gesunken ist. Die Zinsdifferenz zwischen Kapital- und Geldmarkt bleibt allerdings weiterhin negativ, die Zinsstrukturkurve also invers. Gleichzeitig hat sich das Wachstum der realen Geldmenge M3 weiter beschleunigt.

Die Konsumenten schließlich zeigen sich gemäß der jüngsten Umfrage im Auftrag der EU-Kommission weiterhin recht zuversichtlich. Der Indikator für das Verbrauchervertrauen ist im September leicht angestiegen – vor allem, weil die privaten Haushalte sowohl im Hinblick auf die Gesamtwirtschaft als auch in Bezug auf ihre eigene finanzielle Entwicklung etwas positiver gestimmt sind als noch im Vormonat.

 

 

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