Polen und Ungarn: bald nicht mehr Billiglohnland?

Die osteuropäischen Staaten haben bislang auf niedrige Löhne als Standortvorteil gesetzt. Seit einiger Zeit verzeichnen Polen und Ungarn aber spürbare Lohnzuwächse, die dieses Konzept in Frage stellen. Aufgrund des Fachkräftemangels und angekündigter Mindestlohnerhöhungen wird die Lohndynamik in den nächsten Jahren wohl hoch bleiben. Das gilt insbesondere für Polen, wo die derzeitige Regierungspartei kurz vor den Mitte Oktober stattfindenden Parlamentswahlen nahezu eine Verdoppelung des derzeitigen Mindestlohns bis 2023 auf dann monatlich 4.000 Zloty (etwa 912 Euro) in Aussicht gestellt hat. Von dem Image eines „Billiglohnlandes“ will man sich offensichtlich bewusst lösen. Bei den Arbeitskosten dürfte es daher Druck nach oben geben.

Die Arbeitsproduktivität müsste aber mit dem Lohnzuwachs Schritt halten, damit die osteuropäischen Länder im internationalen Wettbewerb nicht zurückfallen und Arbeitsplätze sowie wichtige Investitionen in Produktionsstandorte nicht gefährdet werden. Der Blick auf die Entwicklung der Lohnstückkosten zeigt, dass dies gerade in den letzten Jahren nicht mehr der Fall gewesen ist.

Zwar könnten die osteuropäischen Staaten aufgrund der sehr guten Arbeitsmarktlage und der derzeit vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten eine moderate Zunahme der Arbeitskosten wohl verkraften. Sollte die Entwicklung aber zu lange anhalten, dürfte dies das Wirtschaftswachstum bremsen.

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