Libra – Großangriff auf die Zentralbanken dieser Welt?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht einer oder mehrere Vertreter vonseiten der Politik, der Finanzaufsicht und von Zentralbanken zu der von einem Konsortium um den Tech-Giganten Facebook geplanten Kryptowährung Libra äußern. Und zumeist sind es lautstarke Kritik oder zumindest mahnende Worte, die zu vernehmen sind. Dies zeigt vor allem eines: Auch wenn sich das Libra-Projekt in einem vorläufigen Stadium befindet, wird die private weltweite Einheitswährung von vielen als ernst zu nehmende Konkurrenz für das etablierte Geld- und Finanzsystem wahrgenommen. Dies gilt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der großen Nutzerbasis und der Finanzkraft der beteiligten Unternehmen.

Die von den Initiatoren ausgegebenen Ziele sind es sicherlich nicht, die den Kritikern Furcht einflößen. Wer könnte schon etwas dagegen haben, insbesondere denjenigen Menschen auf der Welt einen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu eröffnen, die bislang ausgeschlossen sind – sofern sie nur über ein Smartphone und Internetzugriff verfügen? Auch ist die Idee, Finanztransaktionen möglichst einfach, schnell, kostengünstig und weltweit durchführen zu können, Ausdruck der veränderten Erwartungshaltung aufseiten der Bevölkerung, was ein Finanzsystem und deren Beteiligte heutzutage leisten sollten – in einer Zeit, in der das Versenden von Nachrichten, Bildern und anderen Daten in Sekundenschnelle gang und gäbe ist.

Gänzlich unberechtigt sind die Befürchtungen der Libra-Kritiker indes nicht. Tatsächlich verfügt Libra über das grundsätzliche Potenzial, weltweite Verbreitung und Akzeptanz zu erfahren. In einem extremen Fall, in dem die Kryptowährung traditionelle Währungen im alltäglichen Gebrauch der Bürger nach und nach verdrängt und sogar ein eigener Kredit- und Kapitalmarkt entstünde, gingen den Zentralbanken zentrale Elemente der geldpolitischen Strategie und des vorhandenen Instrumentariums verloren. Die Steuerung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur Erreichung der vorgegebenen Ziele der Geldpolitik würde folglich erschwert, wenn nicht sogar unmöglich.

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