Auch ein „weicher“ Brexit lässt die Konjunktur nicht durchstarten

Die Weltwirtschaft befindet sich in schwierigem Fahrwasser. Das Wachstum ist so schwach wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr. Der Internationale Währungsfonds veranschlagt es in seiner aktuellen Analyse für das laufende Jahr nur noch auf 3,0 Prozent, mehr als einen halben Prozentpunkt weniger als noch im vergangenen Jahr.

Dabei besteht durchaus das Risiko, dass es noch schlechter kommt. Nämlich dann, wenn eines der Risiken, die bereits seit einiger Zeit auf dem globalen Wirtschaftsklima und vor allem auf der Investitionsbereitschaft der Unternehmen lasten, sich noch weiter verschärfen sollte.

Bei den beiden wichtigsten Themen sah es in den letzten Tagen glücklicherweise nicht danach aus. Die Vereinigten Staaten und China scheinen sich im Handelskonflikt eher in Richtung von (Teil-) Kompromissen zu bewegen. Es wird immer deutlicher, dass die gegenseitigen protektionistischen Maßnahmen nicht nur dem Exportweltmeister China schaden, sondern auch der amerikanischen Industrie. Auch dort hat sich die Stimmungslage zuletzt erheblich eingetrübt, die Produktion sinkt. Das dürfte – neben dem Unmut der US-Landwirte – ein wichtiger Grund für die neue Offenheit des US-Präsidenten gegenüber einer Einigung in Teilaspekten der Auseinandersetzung zu sein.

Auch beim Brexit gibt es Bewegung in die richtige Richtung. Ein neuer Kompromiss steht und die Zustimmung auf EU-Seite darf als sicher gelten. Sollte auch das britische Parlament den Deal durchwinken, könnte der harte Brexit tatsächlich vermieden werden. Die Märkte haben bereits aufgeatmet, auch wenn das Votum der Abgeordneten keineswegs sicher ist.

Doch selbst wenn der Austritt Großbritanniens ohne die befürchteten Friktionen über die Bühnen gehen sollte, heißt das noch nicht, dass die weltwirtschaftliche Schwächephase in absehbarer Frist überwunden werden kann. Schließlich liegt ein wie auch immer gearteter Brexit-Deal heute bereits den allermeisten Prognosen zugrunde. Wenn er erreicht wird, kann man aber immerhin eines der Risiken für eine weitere Verschlechterung von der Liste streichen.

 

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