Größte Gefahr für neue Lira-Krise wieder vom Tisch

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Russland mag zwar nicht immer einfach sein. Allerdings gelingt es dem russischen Staatschef im Gegensatz zu anderen bedeutenden Persönlichkeiten dieser Welt, Einfluss auf den türkischen Präsidenten auszuüben. Dies hat das jüngste Treffen der beiden Staatsoberhäupter gezeigt. Nicht nur wurde die Waffenruhe für den Norden Syriens um rund sechs Tage verlängert, vielmehr wurde ein Plan ausgearbeitet, wie die dortige Situation künftig geordnet werden soll. Geht dieser Plan auf, kann Erdogan sein Ziel, eine Pufferzone an der türkisch-syrischen Grenze zu etablieren, als erreicht ansehen. Dass ein Teil dieses Territoriums von russischen und syrischen Soldaten kontrolliert wird, dürfte er verschmerzen können, ebenso wie die Zusage, das Staatsgebiet Syriens nicht mehr in Frage zu stellen. Verlierer des Abkommens sind die „Demokratischen Kräfte Syriens“, überwiegend aus Kurden bestehende Milizen, die das Gebiet seit längerem kontrolliert hatten. Ihnen dürfte kaum etwas anderes übrigbleiben, als sich zurückzuziehen, sollten sie doch kaum ein Interesse daran haben, sich sowohl mit dem türkischen als auch dem russischen Militär anzulegen.

Die geänderte Ausgangslage mag bei vielen Beobachtern nachvollziehbarerweise auf Unverständnis stoßen. Für die türkische Landeswährung ist sie jedoch von Vorteil. Ziehen sich die kurdischen Kämpfer „freiwillig“ aus dem Gebiet zurück, ist die Gefahr eines direkten Aufeinandertreffens mit dem türkischen Militär gering. Die Grundlage sowie die Notwendigkeit von tiefgreifenden US-Sanktionen gegenüber der Türkei und ihrer Wirtschaft entfielen damit. Ohnehin hatte US-Präsident Trump zuletzt nicht gerade den Eindruck erweckt, größeres Interesse an entschlossenen Maßnahmen gegenüber Ankara zu haben. Folglich ist auch das zuletzt deutlich erhöhte Risiko einer neuerlichen Lira-Krise erst einmal wieder vom Tisch.

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