Japanisches Wachstum enttäuscht im dritten Quartal – Fiskalpaket angekündigt

Japans Wirtschaft hat im dritten Quartal nur ein mageres Wachstum von 0,1% gegenüber dem leicht hochrevidierten Vorquartal gezeigt und damit die Markterwartungen enttäuscht. Auf eine Jahresrate hochgerechnet, ergab sich im dritten Quartal lediglich ein Zuwachs von 0,2%. Vor allem die Konsumenten, die eigentlich genügend Anreize gehabt hätten, im Vorfeld der Mehrwertsteueranhebung vom 1. Oktober 2019 (von 8 auf 10%) vermehrt Käufe von teureren Gebrauchsgütern zum alten Mehrwertsteuersatz zu tätigen, hielten sich zurück und dehnten ihren Konsum mit nur 0,4% gegenüber dem zweiten Quartal deutlich schwächer aus als erwartet.

Eine wichtige Rolle bei der enttäuschenden Konsumtätigkeit mag ein Sondereffekt gespielt haben: die Taifunsaison. Sie hat dieses Jahr besonders heftige Niederschläge gebracht, und die Wetterbedingungen für „Einkaufstouren“ waren entsprechend widrig. Zudem hat das Wegbleiben vieler südkoreanischer Touristen infolge der aktuellen politischen Spannungen zwischen beiden Ländern die Umsätze im japanischen Dienstleistungssektor belastet.

Auch im Hinblick auf den Außenhandel hat Japans Wirtschaft zuletzt gelitten. Wegen der Nachfrageschwäche aus China und des weiterhin unsicheren und gedämpften Klimas im Welthandel gingen die japanischen Exporte um immerhin 0,7% (Q/Q) zurück. Die Importe sanken zwar wegen der geschwächten Binnennachfrage ebenfalls, aber insgesamt trugen die Nettoexporte negativ zum BIP-Wachstum bei. Nun wird es im Jahresendquartal, also mit der erhöhten Mehrwertsteuer, wohl einen größeren Einbruch beim Konsum geben, so dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum im laufenden Jahr unter 1,0% bleiben wird.

Im nächsten Jahr wirkt sich dann die Mehrwertsteuer zunächst noch dämpfend auf das Wirtschaftswachstum aus. Um die aktuell besonders pointierten Risiken für die Konjunktur, zu denen auch die schwachen Exporte gehören, zu mindern und auch um zu vermeiden, dass die taifunbedingten Schäden an der Infrastruktur zu zusätzlichen Belastungen für die Wirtschaft führen, arbeitet die Regierung derzeit an der Formulierung eines neuen Fiskalpakets. Unter den gegebenen Umständen wird dies aber nichts daran ändern, dass sich das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr deutlich schwächer darstellen wird als 2019 und wohl nur etwa 0,3% erreichen wird. Vieles hängt hier davon ab, ob und wie schnell die aktuellen Probleme im Handel mit China, Südkorea und den USA gelöst werden können.

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