Indien verpasst eine Chance

Indien hat mitgeteilt, sich nicht länger an den Vorarbeiten zur Gründung der asiatischen Freihandelszone (RCEP) zu beteiligen und der Handelszone auch später nicht beitreten zu wollen. Aber auch ohne Indien wird die RCEP mit jeweils fast einem Drittel der globalen Wirtschaft sowie der Weltbevölkerung die größte Freihandelszone der Welt sein.

Aktuell ist die indische Leistungsbilanz zwar insgesamt relativ stabil und das leichte Minus von rund 2% des Bruttoinlandsproduktes gibt nur wenig Grund zur Sorge. Betrachtet man jedoch nur den Güterhandel, also die klassische Handelsbilanz, so existiert hier derzeit ein enormes indisches Handelsdefizit gegenüber China, das sich in den letzten zehn Jahren auf rund 58 Mrd. US-Dollar fast vervierfacht hat – bei einem totalen bilateralen Handel von rund 95 Mrd. US-Dollar.

Die Sorge, dass billige Importgüter die heimische Industrie weiter unter Druck setzen, ist wohl berechtigt. Zudem gibt es in Indien unzählige Unternehmen, die noch keine Erfahrung im Export haben und im Zweifel Schutz benötigen. Jedoch versäumt Premier Modi hier eine Chance: Denn die handelspolitische Öffnung im Rahmen der RCEP hätte durch die daraus resultierende Wettbewerbsintensivierung als „Katalysator“ für weitere wachstumsfördernde Strukturreformen des Staates dienen und damit wiederum Anpassungs- und Modernisierungsmaßnahmen in den indischen Unternehmen vorantreiben können. Indien scheut die Öffnung, was sich mittelfristig nicht positiv auswirken dürfte.

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