EWU-Konjunktur bleibt unter Druck

Der Ausblick für die Konjunktur im Euro-Raum hat sich zwar seit dem Sommer 2019 nicht mehr weiter eingetrübt, von einer echten Aufhellung der wirtschaftlichen Perspektiven kann allerdings auch noch keine Rede sein. Das zeigt die aktuelle Entwicklung des Euro-Indikators der DZ BANK, der im Dezember 2019 minimal um 0,1 Prozent gesunken ist. Im Vormonat November hatte sich die Messzahl noch um 0,4 Prozent verbessert.

Der Euro-Indikator steht nunmehr bei 98,7 Punkten, ein Niveau, um das der Indikator bereits seit etwa einem halben Jahr schwankt. Unterdessen hat sich die Vorjahresveränderungsrate des Euro-Indikators merklich verbessert, sie stieg zuletzt auf -0,3 Prozent. Im Juli 2019 hatte die Vorjahresrate noch bei -1,9 Prozent gelegen. Auch diese Entwicklung zeigt, dass der Abwärtstrend bei den Konjunkturaussichten, der von Anfang 2018 bis etwa zur Jahresmitte 2019 anhielt, mittlerweile ausgelaufen ist. Eine echte Trendwende mit einer beginnenden Aufhellung ist allerdings noch nicht zu erkennen.

Das wird auch beim Blick auf die einzelnen Komponenten des Euro-Indikators deutlich. Die Messzahlen aus dem Industriebereich, die für annähernd 90 Prozent des Gesamtrückgangs seit Anfang 2018 verantwortlich waren, haben sich in November und Dezember 2019 stabilisiert. Auftragseingänge, Produktionserwartungen und Einkaufsmanagerindizes sind per Saldo zuletzt leicht angestiegen.

Für die privaten Haushalte hat sich die Lage dagegen in den letzten Monaten etwas verschlechtert. Die Arbeitsmarktperspektiven haben sich eingetrübt, die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen ist leicht rückläufig. Die Messzahl für das Verbrauchervertrauen sank gemäß der aktuellen Umfrage der EU-Kommission zuletzt sogar auf den tiefsten Stand seit Februar 2017.

Kräftig aufwärts ging es in den letzten Monaten mit den Indikatoren von den Finanzmärkten. Die Aktienkurse sind – gemessen am MSCI-Index für den Euro-Raum – seit dem Spätsommer immerhin um rund zehn Prozent angestiegen. Der leichte Anstieg bei den Kapitalmarktrenditen hat zudem die Zinsdifferenz zwischen Kapital- und Geldmarkt wieder ins Positive drehen lassen, was sich ebenfalls positiv auf das Gesamtergebnis ausgewirkt hat.

Insgesamt bleiben die Konjunkturaussichten für den Euro-Raum damit verhalten. Eine durchgreifende Beschleunigung der gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten, die im Jahr 2019 nur leicht über 1 Prozent lagen, ist für die kommenden Monate nicht abzusehen.

 

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