Deutsche Wirtschaft 2019: Wachstum nur noch im Schneckentempo

Der Konjunkturaufschwung in Deutschland geht bereits ins elfte Jahr, doch eine echte Wachstumsdynamik ist derzeit kaum noch zu spüren. Mit einem realen Plus von nur noch 0,6 Prozent erzielte die Wirtschaftsleistung im abgelaufenen Jahr die schwächste Zuwachsrate seit 2013, gegenüber dem Vorjahr hat sich das Wachstumstempo mehr als halbiert.

Die Daten des Statistischen Bundesamts zeigen aber auch, dass es nicht zu der befürchteten „technischen Rezession“ (zwei Negativquartale in Folge) im Jahresverlauf 2019 gekommen ist. Nach dem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,2 Prozent in Q2 stand in der zweiten Jahreshälfte wieder ein leichtes Plus zu Buche. Detaillierte Daten zum Quartalsverlauf werden allerdings erst im Februar veröffentlicht.

Die Verlangsamung des Wachstumstempos der heimischen Wirtschaft geht vor allem auf den Industriesektor zurück. Im letzten Jahr hat die globale Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten vor dem Hintergrund der diversen politischen Belastungen merklich an Schwung verloren. Das deutsche Exportwachstum lag 2019 mit 0,9 Prozent nur noch ganz leicht im Plus. Da die Importe im letzten Jahr etwas kräftiger zulegten, hat der Außenhandel insgesamt eine Bremswirkung für die Gesamtwirtschaft gehabt.

Dagegen zeigte sich die inländische Verwendung mit +1,0 Prozent noch einigermaßen robust. Die privaten Konsumausgaben stiegen mit +1,6 Prozent sogar wieder etwas schneller als im Jahr 2018. Sehr schwach fielen dagegen die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen aus, sie legten gerade einmal um 0,4 Prozent zu, nach einem Plus von 4,4 Prozent im Jahr 2018.

Weiterhin eine wichtige Basis für die deutsche Konjunktur bildet die stabile Arbeitsmarktentwicklung. Die Erwerbstätigkeit ist mit +0,9 Prozent sogar kräftiger gestiegen als die Wirtschaftsleistung.

Der Staat erzielte im Jahr 2019 trotz der Wachstumsverlangsamung einen beachtlichen Budgetüberschuss. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen beendeten das Jahr zum achten Mal in Folge mit einem Plus, das im abgelaufenen Jahr fast 50 Mrd. Euro betrug. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt errechnet sich für den Staat im Jahr 2019 eine Überschussquote von 1,5 Prozent, nach +1,7 Prozent in 2018. Den abermals guten Jahresabschluss ermöglichte den öffentlichen Kassenwarten nicht zuletzt die Europäische Zentralbank: Aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes gingen die zu zahlenden Zinsen des Staates deutlich zurück, was den Ausgabenanstieg dämpfte und letztlich den positiven Finanzierungssaldo ermöglichte.

 

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