Wirtschaftliche Schäden durch Corona-Virus dürften begrenzt bleiben

Medizinisch und menschlich ist der Ausbruch und die schnelle Ausbreitung des neuen Corona-Virus in China und über Chinas Grenzen hinaus sicherlich sehr bedauerlich und besorgniserregend. Ökonomisch gesehen dürften sich die Schäden aus jetziger Sicht aber in Grenzen halten. Dazu sollte nicht zuletzt das rigorose Durchgreifen der chinesischen Behörden beitragen, sowie deren – anders als während der SARS-Epidemie vor 17 Jahren – fast schon erstaunlich transparente Informationspolitik.

Der Vergleich mit der Ausbreitung von SARS im Winter 2002/03 und dessen wirtschaftlichen Folgen ist aktuell natürlich naheliegend. Damals brach in China der Konsum ein, der Personenflugverkehr ging ebenfalls deutlich zurück. Im benachbarten Taiwan, in Singapur und in Hongkong schrumpfte die Wirtschaftsleistung. Seinerzeit allerdings hatten die chinesischen Behörden Informationen über den Ausbruch der Epidemie so lange wie möglich unter Verschluss gehalten. Das Virus konnte sich in dieser Zeit ungehindert in China und bis über Chinas Grenzen hinaus ausbreiten. Als die Behörden schließlich im März/April 2003, also gut fünf Monate nach dem erstmaligen Auftreten der Krankheit, den Ausbruch zugaben, löste das Eingeständnis Panik aus.

Dies dürfte sich aktuell so nicht wiederholen. Der Schritt der chinesischen Regierung, mit der Elf-Millionen-Metropole Wuhan und weiteren benachbarten Millionen-Städten ein ganzes Ballungsgebiet faktisch unter Quarantäne zu stellen, ist zwar radikal, dürfte aber entscheidend zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus beitragen. Die Informationsversorgung durch die Behörden ist nach westlichen Standards zwar immer noch beschönigend, sie ist aber ganz darauf ausgelegt, eine Panik wie vor 17 Jahren zu vermeiden. Die frühe Zusammenarbeit Pekings mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war hier ein wichtiges Signal. Die WHO wiederum stuft das neue Corona-Virus als etwas weniger gefährlich ein als damals das SARS-Virus. Auch dies spricht zumindest zurzeit für einen insgesamt glimpflicheren Verlauf der aktuellen Gesundheitskrise.

Hinzu kommt, dass die ökonomischen Reaktionen im zweiten Quartal 2003 zwar heftig ausfielen, bereits im Folgequartal aber größtenteils wieder aufgeholt wurden. Weder in China noch in Taiwan, Singapur oder Hongkong ist das Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr 2003 durch SARS erkennbar schwächer ausgefallen. Dasselbe gilt für die Weltwirtschaft. Lediglich die Luftverkehrsbranche hatte an den Folgen des Einbruchs länger zu leiden.

Für den Moment sehen wir daher keinen Anlass, unsere Wachstumsprognosen nach unten zu korrigieren. Allerdings ist mit dem Ausbruch des Corona-Virus wieder ein neues Konjunkturrisiko zu den eben erst etwas eingedämmten Wachstumsrisiken hinzugekommen. Dies gilt insbesondere für die Möglichkeit, dass sich der Erreger doch als gefährlicher herausstellt, als aktuell angenommen. Im laufenden Quartal werden vermutlich viele chinesische Konjunkturindikatoren vorübergehend schwächer ausfallen, vor allem die Stimmungswerte dürften leiden. Die Verluste sollten unter günstigen Voraussetzungen aber in den Folgemonaten wieder ausgeglichen werden. Da wir von dem Handelsabkommen mit den USA keine wesentlichen Wachstumsimpulse für die chinesische Wirtschaft erwarten, rechnen wir für 2020 aber ohnehin mit einem erneut etwas schwächeren Wirtschaftswachstum als im Vorjahr. Es sollte nach 6,1 Prozent im vergangenen Jahr in diesem Jahr bei 5,9 und 2021 bei 5,8 Prozent liegen.

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