Wohnen ist teurer als (statistisch) gedacht!

Die Inflationsrate im Euro-Raum hat seit Jahren trotz der extrem expansiven Ausrichtung der Geldpolitik das Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent verfehlt. Ein Grund dafür dürfte auch in den nur unzureichend erfassten Kosten für das Wohnen im harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euro-Raum liegen.

Gemäß verschiedener Verbrauchererhebungen wenden die privaten Haushalte den größten Anteil ihres verfügbaren Einkommens für den Bereich Wohnen auf. Zu diesen Kosten zählen neben den gezahlten Mieten auch Zinsen und Tilgungen auf Hypotheken für den selbstgenutzten Wohnraum.

In den HVPI für den Euro-Raum gehen tatsächlich gezahlte Mieten nur mit einem Gewicht von 6,5 Prozent ein. Der gesamte Bereich der Kosten für selbstgenutzte Wohnimmobilien wird dagegen gar nicht berücksichtigt. Gemäß der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung belief sich der Anteil der gezahlten Wohnungsmieten und der unterstellten Mieten an den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte 2018 im Euro-Raum aber auf zusammen 17 Prozent.

Lässt man die Kosten für den selbstgenutzten Wohnraum anhand der Gewichtung an den gesamten Konsumausgaben mit in den HVPI einfließen, wäre die Inflationsrate in den vergangenen Jahren höher ausgefallen. Denn gemäß Berechnungen auf Basis provisorischer Daten von Eurostat steigen die Kosten für das selbstgenutzte Wohneigentum seit dem Jahr 2014 stärker als die sonstigen Verbraucherpreise. In der Summe würde es zu einer absoluten Abweichung der so erweiterten Inflationsrate von rund 0,2 Prozentpunkten von der bisherigen HVPI-Inflationsrate führen.

Damit wäre die Inflationsrate zumindest näher an das offizielle Inflationsziel der EZB herangerückt. Auch wenn die Berücksichtigung der Kosten für das selbstgenutzte Wohneigentum nicht zum Erreichen des Inflationsziels führt, so wäre damit doch ein zentraler Kritikpunkt an der bisherigen unvollständigen Inflationsmessung ausgeräumt.

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