Corona – von der Epidemie zur Pandemie

Das Corona-Virus und die zuletzt schnelle Verbreitung über den Globus bringen viel Leid für die betroffenen Menschen. Nach jetzigem Stand kann man bei rund 20% der Betroffenen mit einem schweren Krankheitsverlauf rechnen, und 5% davon sterben durchschnittlich. Die Finanzmärkte reagierten auf ihre Weise darauf. Die Aktienmärkte sind im Laufe der Woche kräftig gefallen. Die Konjunktur- und Gewinnerwartungen der Investoren kommen durch die rasan-te Ausbreitung zunehmend unter Druck. Wenn sich die Krankheit zu einer ernstzunehmenden Pandemie und damit verbundenen starken Belastungen der Lieferketten ausweiten sollte, dürfte das Weltwachstum nahe an die Stagnation kommen. Exportorientierte Länder wären dabei stärker negativ betroffen als binnenwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsmodelle. Soweit sind wir zwar noch nicht, aber die Welt ist diesem Szenario im Laufe der dieser Woche einige Schritte nähergekommen.

Bereits jetzt dürften die realwirtschaftlichen Daten deutlich negativ beeinflusst werden. Für Deutschland kann man in Q1 bestenfalls mit einer Stagnation rechnen. Diese schwache Entwicklung sollte sich schon bald in den entsprechenden Frühindikatoren widerspiegeln. Nach bisherigen Erfahrungen mit solchen Krankheitserregern kann man aber davon ausgehen, dass die Krankheitswelle im April, mit Beginn des Frühlings, abflaut. Damit wären in in der zweiten Jahreshälfte spürbare Aufholeffekte in der konjunkturellen Entwicklung wahrscheinlich. Zumal es in den kommenden Wochen geld- und fiskalpolitische Unterstützung für die Volkswirtschaften geben sollte.

Geld- und fiskalpolitische Unterstützung sind erprobte Krisenbekämpfungsmaßnahmen, die in der Vergangenheit gut funktioniert hatten. Warum also auch nicht diesmal darauf vertrauen. Die Effizienz dieser Mittel hat in den letzten Jahren aber stark gelitten. So besteht die Gefahr, dass wir am Ende der Corona-Krise mit nochmals niedrigeren Zinsen und einer weiter steigenden Verschuldung konfrontiert sind. Die Effizienz der Volkswirtschaften und Kapitalmärkte sollte damit noch weiter gedrückt werden. Gleichzeitig ist aber nicht damit zu rechnen, dass das globale Wachstum nachhaltig profitiert. Am Ende könnte das Ergebnis sein: niedrigere Zinsen, höhere Verschuldung und schwächeres Wachstum.
Die langfristigen strukturellen Folgen der Pandemie sind noch nicht absehbar. Die seit einigen Jahren laufende Diskussion über das richtige Maß der Globalisierung und Vernetzung dürfte wieder Fahrt aufnehmen. Es gibt natürlich gute Gründe für eine weniger intensive internationale Vernetzung. Aber damit ginge auch eine geringere Wohlfahrt in den Volkswirtschaften einher. Dies sollte man in der Diskussion bedenken. Auch hier sollte man sich nicht zu einer einseitigen Sichtweise verleiten lassen.

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