Weltwirtschaft durch Pandemie unter erheblichem Druck

Der Ausblick für die Weltkonjunktur ist durch die rasante Ausbreitung des Corona-Virus zunehmend unter Druck geraten. In China und im angrenzenden asiatischen Raum sind die Betriebsabläufe immer noch gestört, dadurch stehen die globalen Lieferketten unter Druck. Auch für die europäische Wirtschaft und die Vereinigten Staaten hat sich die Perspektive deutlich eingetrübt. Dabei drohen nicht nur den exportabhängigen Ländern Belastungen. Immer mehr Länder schränken das öffentliche Leben zunehmend ein, was auf der Binnenkonjunktur lastet. Wir haben unsere Wachstumsprognosen deshalb deutlich gesenkt. Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte rund einen Prozentpunkt niedriger ausfallen und im Jahr 2020 nur noch bei knapp zwei Prozent liegen.

In China dürfte die Wirtschaft im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal geschrumpft sein – ein Novum in den letzten 30 Jahren. Die Infektionszahlen gehen inzwischen zwar deutlich zurück und viele der rigorosen Vorsichtsmaßnahmen konnten gelockert werden. Von Normalität ist das Land aber noch weit entfernt. Negative Rückwirkungen drohen durch die globale Ausbreitung der Epidemie und den Abschwung der Weltwirtschaft. Mit einer dynamischen Erholung im zweiten Quartal ist sicherlich nicht zu rechnen. Wir gehen für dieses Jahr nur noch von einem Wachstum von 4,5 Prozent aus.

In den USA dürfte bereits im ersten Quartal das Wirtschaftswachstum an Tempo verlieren. Mit dem weiteren Anstieg der Infektionszahlen wird wohl in Kürze auch die Kauflaune der Verbraucher einbrechen. Bremsende Effekte beim Export durch die langsamere Weltkonjunktur und eine schwächere Investitionstätigkeit dürften für einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal sorgen, das erste Minus-Quartal seit Anfang 2014. Der rapide Ölpreisverfall stellt darüber hinaus die US-Ölindustrie vor Herausforderungen. Wir senken unsere Wachstumsprognose deutlich und rechnen für dieses Jahr nur noch mit einem Wachstum von einem Prozent.

Für die europäische Industrie kommt die Corona-Krise zur Unzeit, da sie sich gerade erst von einer Schwächephase schrittweise erholt. Nun drohen der Industrie angebotsseitige Engpässe aufgrund fehlender Vorprodukte und krankheitsbedingter Produktionsausfälle. Zudem dürften das Transport-, Hotel- und Gaststättengewerbe deutliche Umsatzeinbußen verzeichnen. Absagen von Großveranstaltungen und das Stornieren von Reisen belasten den Tourismussektor. Und mit dem nahenden Osterfest ist ein touristisches und wirtschaftliches Schwergewicht in Gefahr. Italien ist mit seinen europaweit hohen Infektionszahlen das Epizentrum der europäischen Corona-Krise. Das Land steht inzwischen weitgehend still. Zusätzlich bremsen die dämpfenden Effekte entlang der Wertschöpfungsketten über die EWU-Ländergrenzen hinweg. Für das Jahr 2020 rechnen wir EWU-weit mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,1 Prozent. Dabei werden die Wachstumsraten in Q1 und Q2 spürbar negativ ausfallen.

 

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