Nicht nur die kurzfristigen Folgen betrachten

Die Folgen der Corona-Krise sind zwar noch nicht in den realwirtschaftlichen Daten sichtbar, aber die ersten Wachstumsprognosen werden bereits diskutiert. Das geht dabei von eher effekthaschenden Sprüchen wie „die Mutter aller Rezessionen“ bis zu sehr breiten Zielbändern. Die Auswirkung des aktuellen „shut down“ in Europa lassen sich nur schwer greifen. Wir haben versucht die Effekte zu berechnen. Dabei haben wir jedoch nicht die Nachfrageseite analysiert, sondern die Entstehungsseite des Bruttoinlandsprodukts. Wenn man die aktuellen Ankündigungen zusammennimmt, kann man mit einem Rückgang des BIP von rund 2% pro Monat rechnen. Wenn der aktuelle Zustand also 1 Jahr anhält, würde das deutsche BIP um etwa 25% fallen. Diese Zahl alleine zeigt, dass dies selbst die deutsche Volkswirtschaft nicht verkraften würde. Hier muss es eine andere Lösung geben. Ich gehe weiterhin davon aus, dass das wirtschaftliche Leben etwa im Mai langsam wieder in den Normalzustand übergeht. Unter dieser Annahme kann man für dieses Jahr kann man in Deutschland mit einem BIP-Rückgang von etwa 5% rechnen. Im Euroraum dürfte die Rezession sogar noch tiefer ausfallen.

Noch schwieriger als die Tiefe der Rezession ist aber der anschließende Aufschwung abzuschätzen. Es wurden zwischenzeitlich eine Vielzahl an Fiskalprogrammen angekündigt. Diese können leicht mehr als 15% des Welt-BIP ausmachen. Die positive Wirkung auf die Konjunktur hängt dabei natürlich vom zeitlichen Rahmen der Implementierung ab, aber man kann bei dem bis jetzt angekündigten Umfang der Programme von einem mehrjährigen positiven Impuls ausgehen. Dies will natürlich auch finanziert werden. Das Angebot an Anleihen der Länder dürften also kräftig steigen und damit wohl auch die Renditen. Die Aktienmärkte sollten aber mittelfristig profitieren.

Aus meiner Sicht muss man natürlich auf die kurzfristigen Folgen der aktuellen Entwicklung achten, aber man sollte dennoch die mittel- und langfristige Perspektive nicht aus den Augen verlieren.

 

 

Die Zahl der Infektionen steigt weiter an, dieser Trend dürfte sich auch in den nächsten Tagen nicht verändern. Frühestens Ende nächster Woche kann sich hier eine Entspannung ergeben.

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Ein Kommentar

Friedheinz Eggensperger

Sehr nützlich,wenn auch nicht entgültig beruhigend.

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