Euphorie folgt der Depression

Seit gestern kennen die Märkte kein Halten mehr. Als wollte man die Tristesse der letzten Woche abschütteln sind die Aktienkurse kräftigst gestiegen. Der Treibstoff für die dynamische Erholung war das große Hilfspaket der Fed und die Hoffnung, dass sich nun endlich auch die beiden Kammern des US-Parlaments auf das Corona-Unterstützungspaket von rund 2.000 Mrd. US Dollar einigen können, was man dann auch geschafft hat. In Europa ist man in diesem Feld schon weiter. Hier hat die EZB bereits in der letzten Woche ein umfangreiches Unterstützungspaket für Investoren und die Euroraum-Länder verkündet. Die Regierungen im Euroraum haben gleichzeitig umfangreiche fiskalische Maßnahmen beschlossen.

Dabei ist die Aufgabenteilung zwischen Notenbanken und Regierungen in allen Ländern sehr ähnlich. Die Notenbanken kümmern sich darum, dass die Finanzmärkte funktionieren und die Liquiditäts- und Kreditkosten für Staaten und Unternehmen nicht zu teuer werden, was Insolvenzen und Staatenkrisen vorbeugen soll.  Dafür nehmen die Notenbanken einen starken Volumenanstieg der Bilanzen und des Risikos in Kauf. Die Regierungen wiederum kümmern sich darum, dass die Liquiditäts- und Kapitalversorgung der Unternehmen und privaten Haushalte gesichert ist. Gleichzeitig werden großvolumige Investitionsprogramme angekündigt, die die notwendigen Wachstumsimpulse geben sollen. Die Finanzierung dieser Programme sollte kein Problem sein, da die Notenbanken die enormen Neuemissionen im Zweifel auf ihre Bilanz nehmen werden. Im Euroraum bzw. in der EU wird zusätzlich diskutiert, dass die Schulden teilweise vergemeinschaftet werden sollen und man zu diesen Zweck EU-Bonds oder Euro-Bonds emittieren möchten.

Die beiden Lösungsstränge der Krise können tatsächlich funktionieren. Jedoch zu dem Preis eines enormen Anstiegs der Verschuldung. Zudem dürfte es zu einem Transfer von privater Verschuldung hin zu staatlicher Verschuldung kommen, der wiederum teilweise in den Notenbankbilanzen landen dürfte. Angesichts der historischen Aufgaben sicherlich ein akzeptabler Weg für die beteiligten Regierungen. Jedoch läuft die Weltwirtschaft mittelfristig natürlich auf ein Schuldenproblem zu.

Kurzfristig sollte man jedoch nicht damit rechnen, dass die Euphorie an den Finanzmärkten anhält. Viele wenn nicht fast alle positive Nachrichten und Hoffnungen scheinen nun erstmal verarbeitet worden zu sein. Auf der anderen Seite muss man sich auch vergegenwärtigen, dass es zurzeit für rund 2,6 Mrd. Menschen eine Art Ausgangssperre gibt. Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen wird erst allmählich sichtbar, es dürfte sich auch immer wieder Ernüchterung einstellen. Es wird also noch einige Zeit ein kräftiges Auf und Ab bei den Kursen geben. Was bei der Dimension dieser Krise auch ein ganz normaler Verlauf wäre.

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