Spanien: Pandemie hat den Arbeitsmarkt bereits schwer getroffen

Wie schwer die spanische Privatwirtschaft von dem Corona-Schock betroffen ist, lässt sich bislang lediglich grob abschätzen. Erste Zahlen vom Arbeitsmarkt vom März zeigen aber bereits auf dramatische Weise, wie schnell die Wirtschaft in eine tiefe Krise geraten ist. Demnach ist die Zahl der registrierten Arbeitslosen innerhalb nur eines Monats um 302.000 Personen hochgeschnellt. Ein derart hoher Anstieg wurde in der Vergangenheit noch nicht gemessen.

Schätzungen der Arbeitsämter zufolge dürften durch den Lockdown vom 15. März kurzfristig sogar mehr als drei Millionen Menschen betroffen sein. Das bezieht sich in erster Linie auf die tourismusnahen Bereiche wie beispielsweise Hotels oder Restaurants, aber auch weite Teile des Einzelhandels und des verarbeitenden Gewerbes. Mit der erneuten Verschärfung der Ausgangsbeschränkungen am 31. März, ab dem nur noch notwendige Betriebe die Beschäftigung fortführen dürfen, wird sich die Zahl der betroffenen Erwerbstätigen wohl nochmals um mehrere Hunderttausend erhöht haben, insbesondere im Baugewerbe.

Um den weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit abzufedern, verfügt der spanische Staat, so wie viele andere Euroländer, über das Instrument des Kurzarbeitergeldes. Dieses setzt allerdings voraus, dass die Betriebe ihre Angestellten über die Krise hinaus behalten werden. Der Anreiz dürfte dabei besonders mit Blick auf qualifizierte Beschäftigte höher sein. Die Erholung am spanischen Arbeitsmarkt seit 2013 wurde jedoch vorwiegend vom tourismusnahen Dienstleistungssektor unterstützt. Die Arbeit in diesem Segment zeichnet sich überwiegend durch eine geringe Qualifikationsanforderung und zeitlich begrenzte Beschäftigung aus. Die Möglichkeiten, im Zweifel neues Personal am Arbeitsmarkt zu finden, sind angesichts der nach wie vor hohen Arbeitszahlen in Spanien vergleichsweise einfach.

Vor allem die Kleinst- und Kleinunternehmen dürften ihre Angestellten daher kurzfristig in die Arbeitslosigkeit entlassen, anstatt in Kurzarbeit zu schicken. Darauf weisen auch die Arbeitsmarktdaten vom März hin. Damit sollte die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten temporär merklich stärker ansteigen als im Euro-Raum Durchschnitt. Für das laufende Jahr könnte die Quote damit durchschnittlich auf über 19 Prozent anschwellen, wobei eine temporäre Spitze deutlich über 20 Prozent wahrscheinlich erscheint.

 

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