Corona bremst nun auch das Wachstum in den großen Schwellenländern dramatisch ab

Nun hat das Corona-Virus auch die großen Schwellenländer neben China fest im Griff. Die jüngsten, sehr kurzfristig beschlossenen und weitreichenden Schutzmaßnahmen gegen die Ansteckungsrisiken lassen einen den Atem anhalten: So hat etwa Indiens Premier Modi Ende März in der Tat eine landesweite dreiwöchige Ausgangssperre für den gesamten Subkontinent verhängt. Indien befindet sich damit in einem von viel Chaos begleiteten Ausnahmezustand. Die fast völlige Aussetzung aller wirtschaftlichen Tätigkeit wird das Land sehr viel ökonomische Kraft kosten. Indiens Wirtschaft dürfte dieses Jahr nun mindestens um ein Prozent schrumpfen, nach einem Plus von 5,3 Prozent im letzten Jahr wäre dies ein enormer „Swing“.

Auch in Südafrika hat Präsident Ramaphosa zu einer ähnlichen Maßnahme gegriffen und aus Sorge vor der weiteren Ausbreitung des Virus Ausgangssperren verhängt. Betroffen sind hier vor allem die städtischen Agglomerationen, die zugleich die wirtschaftlich stärksten Landesteile sind, aber auch die großen Townships, wo viele Menschen dicht an dicht leben. Einige Großunternehmen, etwa in Südafrikas Autoindustrie, haben bereits die Produktion gestoppt. Die präventive Maßnahme Ramaphosas ist deshalb so wichtig, weil das Land kaum über genügend adäquate Krankenhauskapazitäten verfügt, sollte sich die Ausbreitung von Corona tatsächlich irgendwann noch stärker beschleunigen. Südafrikas Wachstum wird damit aber in diesem Jahr wohl deutlich negativ ausfallen, wir rechnen nun mit rund -4 Prozent.

In Russland wiederum bricht die bisherige „Linie“, derzufolge die Corona-Pandemie für das Land keine allzu große wirtschaftliche Gefahr darstelle, allmählich Stück um Stück zusammen, nachdem die Zahl der Neuinfektion in Russland in den letzten Tagen stark beschleunigt hat. Inzwischen sind auch immer mehr Todesfälle zu beklagen. Der Handelsaustausch mit China läuft inzwischen nur noch auf „kleiner Flamme“. Vor allem aber ist der durch Corona mit ausgelöste globale Nachfrage und Preisverfall bei Öl und Gas für Russland derzeit der eigentliche wirtschaftliche Schaden, weil die Exporterlöse wegbrechen, die das Land eigentlich zur Finanzierung des Staatsbudgets und für Maßnahmen gegen die Corona-Krise braucht. Den Wachstumsverlust sehen wir dieses Jahr bei etwa 1,5 Prozent.

Selbst Brasiliens Präsident Bolsonaro, der lange am liebsten gar nichts von Corona hören wollte, wird letztlich nicht umhinkönnen, geeignete Schutzmaßnahmen zu verordnen, die nun einmal kollossale wirtschaftliche Kollateralschäden unvermeidlich machen. Produktionseinbußen und Nachfrageausfall, zusammen mit wohl wieder steigender Arbeitslosigkeit, werden Brasiliens Wirtschaftskraft dieses Jahr ins Minus ziehen. Unsere upgedatete BIP-Prognose lautet hier für das laufende Jahr jetzt nur noch -1,0 Prozent.

 

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