Einkaufsmanagerindizes fallen – Wo ist der Boden?

Die finalen Ergebnisse der Umfrage unter den europäischen Einkaufsmanagern für den März sind nochmal ein Stück niedriger ausgefallen als die ohnehin schon katastrophalen Ergebnisse der Vorabveröffentlichung von vor gut einer Woche. Der umfassende Composite Index verzeichnete nicht nur den größten monatlichen Indexrückgang seit Beginn der Umfrage. Er fiel auch um 1,7 Punkte niedriger aus als in der Erstschätzung und notiert aktuell auf einem neuen Allzeittief von 29,7 Zählern.

In beiden von der Umfrage erfassten Bereichen kam es zu einem drastischen Einbruch des Sentiments aufgrund der Corona-Pandemie. Dabei ist der Servicesektor von dem länderübergreifenden Shutdown aktuell noch stärker betroffen. Auch hier verzeichnete der Index einen Rekordrückgang. Kein Wunder angesichts der Schließung von Gastronomie und weiten Teilen des Einzelhandels und Stillstand im Tourismusgeschäft. Der Dienstleistungsindex fiel von 52,6 auf 26,4 Punkte. Der Index für das verarbeitende Gewerbe im Euro-Raum scheint mit aktuell bei 44,5 nach 49,2 Punkten im Februar dagegen noch vergleichsweise robust. Dies dürfte aber nur eine Momentaufnahme sein. Das Ergebnis ist nach Angabe von IHS Markit aufgrund von Lieferverzögerungen nach oben verzerrt.

Die gestrigen Zahlen vom spanischen Arbeitsmarkt für den März haben es bereits angedeutet. Nun folgt der nächste Schlag. Die Stimmung in der spanischen Privatwirtschaft im März kippt. Darauf deutet der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Gesamtwirtschaft hin. Der zusammenfassende „Composite“-Index halbiert sich nahezu von 51,8 auf 26,7 Punkte. Insbesondere der wichtige Dienstleistungssektor verzeichnete einen beispiellosen Einbruch. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass insbesondere tourismusnahe Dienstleistungen von der Krise betroffen sind – dem „Herzstück“ der spanischen Wirtschaft. Sars-Cov-2 hat die spanische Wirtschaft bildlich gesprochen somit in den Winterschlaf versetzt.

In Italien ist das Bild noch schlimmer. Das Land hat sich selbst nun schon am längsten unter den Europäern strickte Ausgangsperren und einen weitgehenden Produktionsstillstand verordnet. Dies muss sich zwangsläufig in den Umfragewerten niederschlagen. Der Composite-Index verlor hier 30,5 Punkte und erreichte im März ein Niedrigrekord von 20,4 Zählern. Das Dienstleistungsbarometer steht sogar nur noch bei 17,4 Punkten. So etwas hat man noch nicht gesehen. Damit ist für die anderen Länder auch absehbar, was folgt, wenn der Shutdown sich weiter fortsetzt. Italien hat einen Vorlauf von 2-3 Wochen. Dementsprechend werden die Einkaufsmanagerindizes in den anderen Ländern – gerade im Dienstleistungsbereich – im nächsten Monat sehr wahrwahrscheinlich weiter nachgaben. Ein Boden ist noch nicht absehbar.

Im Ergebnis kann man festhalten: Eine ausgeprägte Rezession im Euro-Raum ist da und sie wird alles übertreffen, was man bisher gesehen hat.

 

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