Japan sucht seinen Weg aus der Corona-Krise

Nach einer im Zuge der Mehrwertsteueranhebung vom letzten Oktober ohnehin bereits stark geschwächten Konsumdynamik und einer negativen gesamtwirtschaftlichen Wachstumsrate von -1,8 Prozent (Q/Q) im Endquartal 2019 sieht es derzeit so aus, dass sich die Konjunkturkrise in Japan jetzt Corona-bedingt noch deutlich vertiefen und verlängern wird, bevor dann wahrscheinlich erst am Jahresende das Wachstum wieder anziehen kann. Die gegenwärtige Stimmungslage bei den Unternehmen und den Privathaushalten ist desolat und deutet an, dass der Weg durch die Corona-Krise enorme Mühen und Kosten einfordern wird. Dabei wird der Weg zurück in die Normalität wohl nur schrittweise möglich sein.

Die aktuellen Sentiment-Indikatoren bei den Unternehmen, abzulesen etwa in den Ergebnissen der jüngsten Tankan-Umfrage der Notenbank und in den Indizes der Einkaufsmanager, sind zuletzt noch weiter und beschleunigt gefallen, im Dienstleistungsbereich und hier vor allem im Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe haben sie inzwischen rekordniedrige Niveaus erreicht. Die Verschiebung der Sommerolympiade von Tokyo auf 2021 hat dabei jenen, die immer noch an eine baldige Nachfragebelegung geglaubt haben, nun endgültig den Wind aus den Segeln genommen.

Premierminister Abe hat wegen der zuletzt deutlich gestiegenen Fallzahlen bei neuen Corona-Erkrankungen am 7. April für Japan den nationalen Notstand erklärt, der zunächst einen Monat andauern soll. Die Menschen sollen belebte Plätze meiden und möglichst zu Hause bleiben. „Home-Office“ und „Social-distancing“ sind dabei für viele Japaner durchaus eine völlig neue Erfahrung. Aber wer etwa die völlig überfüllten Pendlerzüge im Großraum Tokyo und in anderen Ballungszentren kennt, der sieht schnell, dass etwas geschehen musste, um die Corona-Risiken endlich effizienter einzudämmen. Dabei muten die bisherigen Maßnahmen in Japan noch milde an im Vergleich zu denen etwa in Europa, denn es handelt sich bislang im Wesentlichen nur um Appelle an die individuelle Einsicht, Gefahrenherde für Ansteckungen lokal zu meiden und die vermehrten Angebote der Arbeitgeber, zu Hause arbeiten zu dürfen, nun auch anzunehmen. Die Gouverneure in großen Präfekturen, darunter Tokyo, können nun auch Geschäfts- und Betriebsschließungen empfehlen. Rechtlich bindend sind diese Maßnahmen aber (noch) nicht. Es ist also alles bisher eher nur ein „Soft-Lockdown“. Die Absicht dahinter ist klar: Die ohnehin derzeit schwache japanische Wirtschaft soll nicht vollends abgewürgt werden. Wie lange Japan dies durchhalten kann, ohne dass die Rufe nach einer Verschärfung der Strategie gegen Corona lauter werden, ist unklar.

Zur Eindämmung der Corona-Schäden hat Abe jetzt wenigstens ein neues Fiskalpaket im Nennvolumen von 108 Billionen Yen oder rund 20 Prozent des japanischen Bruttoinlandsproduktes angekündigt Das klingt gewaltig! Es ist aber zu berücksichtigen, dass nur der kleinere Teil davon tatsächlich direkte neue Staatsausgaben sind. Immerhin aber soll es Bargeldtransfers von 300.000 Yen an jeden Privathaushalt geben. Kleinunternehmen sollen Existenzhilfen erhalten. Außerdem soll es Steuerstundungen und Aufschübe bei den Sozialabgaben geben. Trotz all dieser Maßnahmen dürfte die Rezession in Japan aber vorerst weitergehen. Für das Gesamtjahr 2020 sehen wir daher auch nur ein BIP-Wachstum von -3,0 Prozent.

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