Opec-Kürzung ist historisch, aber nicht ausreichend!

Die Bekämpfung der Corona-Krise führt zu historischen Maßnahmen. Sowohl die Zentralbanken als auch die Regierungen versuchen mit ihren monetären als auch fiskalischen Instrumenten bestmöglich gegenzusteuern, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Nun greift ebenfalls die Opec+ zu historischen Maßnahmen und drosselt die Ölproduktion um 9,7 Millionen Barrel pro Tag (MMBD) im Mai und Juni. Für die zweite Jahreshälfte wird das Kürzungsziel auf 7,7 MMBD herabgesetzt – ab 2021 dann auf 5,8 MMBD. Das Kürzungsprogramm läuft bis Ende April 2022. Auch die USA, Brasilien und Kanada werden ihren Output um 3,7 MMBD zurückfahren.

Ein Wermutstropfen ist aber die Tatsache, dass im Rahmen des „Kürzungsakkords“ die tatsächlichen Produktionsdaten mit den Werten von Oktober 2018 verglichen werden. Bei Russland und Saudi-Arabien liegt der so genannte Referenzwert bei 11 MMBD. Vergleicht man innerhalb der Opec aber die Kürzungsziele mit den aktuellen Produktionszahlen, fällt die tatsächliche Produktionsdrosselung selbst bei einer 100%igen Kürzungsdisziplin um 5 MMBD geringer aus! So schnell werden dann aus 9,7 faktisch nur noch 4,7 MMBD – zumindest im Vergleich zum aktuellen Outputniveau. Da die Ölnachfrage im zweiten Quartal 2020 um etwa 12 MMBD im Vergleich zum Vorjahr fallen wird, reichen die beschlossenen Maßnahmen nicht aus, um den Rohölmarkt nachhaltig zu stabilisieren. Die überversorgte Situation wird im April nochmal zu einem deutlichen Anstieg der Lagerbestände führen. Bestenfalls zieht der Kürzungspakt eine Untergrenze für den Brent-Rohölpreis zwischen 25 und 30 US-Dollar ein.

Der Kürzungsbeschluss ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, am Ziel ist man allerdings noch nicht angelangt. Im Laufe des zweiten Halbjahres wird die Nachfrage eine Wiederbelebung erfahren, aber große Sprünge bleiben aus. Erst 2021 ist mit einer nachhaltigen Nachfrageerholung zu rechnen. Daher sehen wir den Ölpreis in 12 Monaten bei 40 US-Dollar.

 

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